Selbsthilfegruppentag 2010 der AHG Klinik Wigbertshöhe
Wichtiger Bestandteil in der stationären Therapie suchtkranker Menschen ist die Einbeziehung der Selbsthilfegruppen in die Behandlung in Form regelmäßiger, von Mitgliedern örtlicher Selbsthilfegruppen geleiteter Informationsveranstaltungen und deren Vor- und Nachbereitung im Rahmen der Gruppentherapie. Einmal jährlich treffen sich die örtlichen Gruppen (Anonyme Alkoholiker, Guttempler, Freundeskreise, Kreuzbund und Glücksspielerselbsthilfegruppen) in der AHG-Klinik Wigbertshöhe, um über ihre Erfahrungen mit den Patienten zu berichten, sich im Gespräch kennen zu lernen und auszutauschen sowie zur Koordination der weiteren Zusammenarbeit mit der Klinik. Ein Thema der diesjährigen Veranstaltung war neben einem Jahresrückblick und der Planung des kommenden Jahres die zunehmende Zahl von Mehrfachabhängigen in der Klinik und die damit in Zusammenhang stehende stärkere Belastung sowohl der Betroffenen als auch der Helfer. Auch die Schwierigkeit mancher Gruppen, neue Mitglieder zu finden (z.T. liegt der Altersdurchschnitt bei über 60 Jahren) wurde thematisiert. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass es insbesondere für Glücksspieler schwierig zu sein scheint, eine Selbsthilfegruppe zu gründen bzw. zu besuchen . Die Betroffenen sind somit oft auf den Besuch einer „klassischen“ Selbsthilfegruppe angewiesen, in der sich Menschen mit unterschiedlichen Suchterkrankungen treffen. Erfreulich ist, dass es seit Sommer letzten Jahres in Bad Hersfeld eine Selbsthilfegruppe für Glücksspieler gibt, die sich in den Räumen der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes immer Donnerstag abends um 19 Uhr trifft.
Eine Besonderheit der AHG Klinik Wigbersthöhe ist der hohe Anteil an glücksspielabhängigen Patienten. In den Anfängen der Behandlung von Glücksspielern zeigten sich Ressentiments und Berührungsängste zwischen den alkohol- und glücksspielabhängigen Patienten. Spiegelbildlich war dies auch im Verhältnis der Selbsthilfegruppen zu den Spielern und umgekehrt spürbar. Positiv wirkt sich hier der über die Jahre gewachsene gegenseitige Respekt und das verbesserte Verständnis für die jeweilige Suchterkrankung auf das Verhältnis der Patienten untereinander in der Klinik und in den Selbsthilfegruppen aus.
Die Bedeutung der Selbsthilfegruppen für eine stabile und zufriedene Abstinenz Die Abstinenz ist der völlige Verzicht auf ein Suchtmittel (Alkohol).
In einer Therapie erlernt der Alkoholabhängige nicht, dass er nicht mehr trinken darf, sondern dass er nicht mehr trinken muss. unterstreicht eine im Jahr 2006 veröffentlichte Studie der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen: danach sind „nur etwa 17 % der betroffenen Gruppenmitglieder innerhalb eines Jahres bei kontinuierlichem Gruppenbesuch rückfällig geworden. Besonders erfreulich ist, dass 72 % in der Gruppe verblieben und durch diese stabilisiert wurden .“ (Quelle: Hessisches Ärzteblatt 2/2006).
Jean-Christoph Schwager, Gruppentherapeut +50, Koordinator/Ansprechpartner der Suchtselbsthilfegruppen der AHG Klinik Wigbertshöhe