Alles dreht sich um Geld – und das wird in der Regel schneller verloren als gewonnen. Damit sinkt auch das Selbstwertgefühl von pathologischen Glücksspielern. Deshalb sind Methoden des Geld- und Schuldenmanagements notwendiger Bestandteil der Behandlung. Die Hauptaufgabe besteht darin, den im Verlauf der Jahre entstandenen problematischen Umgang mit Geld bewusst zu machen und den Betroffenen zu motivieren, diesen zu verändern. Dies betrifft vor allem die für Glücksspieler gegensätzlichen Geldstile des Geizes und der Verschwendung, die mit Hilfe des Prinzips der Suche nach dem Mittleren zu überwinden sind. Die psychotherapeutische Umsetzung dieser Leitlinie erfordert vor allem die Bearbeitung glücksspielerspezifischer Verleugnungs- und Selbsttäuschungsmechanismen, die sich in der Tendenz äußern, finanzielle Probleme auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, äußere Instanzen für die eigene finanzielle Misere verantwortlich zu machen oder das Problem an andere Personen zu delegieren.
Vor Einleitung des Geld- und Schuldenmanagements im engeren Sinne bedarf es zunächst einer Bewusstmachung der emotionalen Bedeutsamkeit des Geldes, um die Grundlagen für konkrete Veränderungen des Umgangs mit Geld zu legen.
Pathologische Glücksspieler neigen dazu, ausschließlich auf die kurzfristig vorhandenen und verfügbaren finanziellen Mittel zu schauen und verzichten auf eine langfristige Planung der tatsächlichen und möglichen Einnahmen und Ausgaben. Dieses Planungsverhalten muss grundlegend geändert werden. Dazu wird das Prinzip des frei verfügbaren Einkommens verwendet, wonach durch eine detaillierten Haushaltsanalyse, d.h. Gegenüberstellung vorhandenen Einnahmen und notwendigen Ausgaben, der Restbetrag ermittelt wird, der für persönliche Bedürfnisse frei verfügbar ist. Bezogen auf die Schuldenregulierung wurde ein entsprechendes Prinzip der unmittelbaren Rückzahlung eingeführt, wonach selbst bei einer geringen finanziellen Beweglichkeit auch kleinere Beträge unmittelbar an private und öffentliche Gläubiger zurückgezahlt werden. Dieses Vorgehen verfolgt neben der Verbesserung des finanziellen Verhaltens auch das Ziel, den eingeschränkten Selbstwert wiederherzustellen, um die Motivation zur langjährigen Schuldenregulierung zu schaffen.
Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Zusatztitel Sozialmedizin, Diplom-Psychologin
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