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Nordkurier vom 29. Dezember 2009
29.12.2009 – Burn-Out-Patientin entdeckt die Vorzüge des Lebens wieder

Nordkurier vom 29.12.09

Burn-Out-Patientin entdeckt die Vorzüge des Lebens wieder

TherapieSächsin sucht für sich und ihren behinderten Sohn einen Klinikplatz. Nach Absagen wird sie in Waren fündig.

Von Franka Niendorf

Waren. Im kleinen Wintergarten auf ihrer Etage in der Warener AHG Klinik suchen Sylvia Bage und ihr 29-jähriger Sohn Raimund oft die nötige Ruhe nach einem langen Therapietag. Dann genießen sie den wunderschönen Ausblick auf der Müritz, der so „beruhigend wirkt“, dass er wohl auch seinen Teil zur Genesung von Sylvia Bage beiträgt. Das sich die Sächsin wieder auf das „Wesentliche im Leben konzentrieren“ und „sich fallen lassen kann“, war nicht immer so, sagt die an Burn-Out-Syndrom erkrankte Frau. Sie musste erst wieder lernen, das Leben zu genießen und das zu tun, was ihr wirklich Spaß bringt. Dabei hat ihr die Warener Einrichtung für stationäre Psychotherapie und Rehabilitation bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen geholfen.
Nicht selbstverständlich, wie die Frau erfahren musste. Denn keine Klinik bundesweit wollte sie und ihren erwachsenen behinderten Sohn aufnehmen. „Er kann während einer sechswöchigen Therapie nicht alleine leben“, so Bage, dessen Mann aus beruflichen Gründen nicht für die Betreuung von Raimund hätte einstehen können. „Eine Begründung für die Ablehnungen habe ich nie bekommen“, sagte die Patientin, die sich und ihren Sohn diskriminiert sah. Umso dankbarer ist sie nun den Mitarbeitern der Klinik in der Kreisstadt, die sofort eine Zusage ausgesprochen hatte. „Nach langem Warten, war das erlösend für mich“.
Dennoch sei das eine Ausnahme gewesen, so Dr. med. Otmar Kristof, Facharzt der Einrichtung. „Auch wir sind eigentlich nur auf Begleitkinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren eingerichtet“. Da sich die Sächsin aber in einer Notlage befunden hätte, durfte Mutter und Sohn zusammen einziehen. Obwohl Dr. Kristof auch weiß, dass es sich „nicht immer positiv auf die Behandlung auswirkt, wenn Familienmitglieder dabei sind“. Denn so könne sich der Patient nicht voll und ganz auf sich konzentrieren.
Bei Sylvia Bage scheint das nicht der Fall zu sein. Sie nutzt die gemeinsame Zeit mit Raimund zum Malen oder Basteln, was ihr dabei helfe, wieder zu sich zu finden. „Früher war ich sehr kreativ, doch irgendwann habe ich einfach den Blick für so etwas verloren“.
Die Frau, die eigentlich als Sonderpädagogin arbeitet, wurde allmählich von den psychosomatischen Symptomen des Burn-Out-Syndroms überrannt, fühlte sich ausgebrannt von Stress und Hektik des Alltags.
Jetzt ist sie auf dem Weg der Besserung und entdeckt langsam die Vorzüge des Lebens wieder. Wie ihr Sohn Raimund es seit jeher tut. „Das haben uns die Behinderten voraus, Raimund genießt sein Leben, zwar auf eine andere Art, aber er macht eben das, was ihm Spaß macht“, sagte Sylvia Bage. Dank der Werkstatt des Lebenshilfswerkes in Waren konnte der 29-Jährige für vier Wochen weiter seiner handwerklichen Leidenschaft nachgehen. „Ein Tipp der Klinik, den wir sehr gern genutzt haben“, so Bage.
Bis Anfang Januar sind beide noch in der Müritzstadt. Und letztlich sind sie froh, dass alles so gekommen ist, „denn es hätte nicht schöner sein können. Und vielleicht war es auch ein Wink des Schicksals, dass wir länger warten mussten, um endlich den richtigen Platz zu finden“. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass auch die Genesung weiter voran geht, damit Sylvia Bage bald selbst wieder ihren Beruf ausüben kann. Bis dahin sieht sie jeden Tag aufs Neue, was eigentlich wesentlich im Leben ist. Und sei es nur ein idyllischer Ausblick auf die Müritz.

Weitere Informationen

Chefarzt

Dr. med. Otmar Kristof

Dr. med. Otmar Kristof

Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapie, Sozialmedizin, Rehabilitationswesen

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Tel. +49 3991 635-0
Fax +49 3991 635-426
E-Mail waren@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik Waren
Am Kurpark 1
17192 Waren (Müritz)