Zielsetzungen der stationären Behandlung.
Die Zielsetzungen der stationären Behandlung werden gemeinsam von Patient und Therapeut entwickelt und sind meistens auf die konkreten Beschwerden und Problemstellungen des Patienten und auf seine jeweilige Persönlichkeitsstörung bezogen. Bei den speziellen Zielsetzungen der Behandlung der Persönlichkeitsproblematik geht es zum einen darum, sich und andere Menschen besser zu verstehen und damit die Selbstakzeptanz und Menschenkenntnis zu verbessern. Zum anderen geht es um die Förderung der psychosozialen Fertigkeiten und um die Abschwächung der unflexiblen Muster des inneren Erlebens und Verhaltens, um eine kompetentere Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit im privaten und beruflichen Leben zu ermöglichen.
So sollte der Patient erkennen lernen, in welchen Situationen seine individuellen Denk-, Erlebens- und Verhaltensweisen zum Problem werden, woher sie kommen, wofür sie gut sind bzw. waren, welche Folgen sie haben und wie sie verändert werden können. Die Zusammenhänge zwischen den aktuellen zwischenmenschlichen Bedürfnissen, Einstellungen, Gefühlen und Verhaltensweisen und der eigenen Lern- und Entwicklungsgeschichte sind den Betroffenen meistens nicht bewusst. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, dem Patienten zu ermöglichen, diese Zusammenhänge wahrzunehmen und ihm ein plausibles Erklärungsmodell für seine Probleme zu bieten, um das eigene Verhalten als subjektiv sinnhafte oder nachvollziehbare Anpassungs- und Bewältigungsstrategie resultierend aus frühen Beziehungen zu verstehen. Dies löst noch nicht alle Schwierigkeiten. Es entlastet aber, indem es sie verständlich und nachvollziehbar macht, gibt dem Verhalten des Patienten Sinn und Bedeutung und stellt eine Brücke zur Erfahrungswelt und den Beweggründen des Betroffenen dar. Ziel ist ebenso, dass der Patient die eigene Mitverantwortung an den gegenwärtigen Problemen wahrnimmt und akzeptiert, dass die Probleme nur durch eigene Anstrengungen und Veränderungen vermindert werden können. Zu Beginn der Therapie sollten beim Patienten realistische Hoffnungen geweckt und Zielsetzungen sowie Pläne für eine Veränderung auf den Weg gebracht werden. Wenn man sich z. B. aufgrund seiner abhängigen Persönlichkeitsstörung den Bedürfnissen und Wünschen anderer zu sehr unterordnet, kann man üben, den eigenen Bedürfnissen und Wünschen mehr Beachtung zu schenken. Ein plausibles Behandlungskonzept zeigt machbare Schritte auf dem Weg hin zur Veränderung. Patienten sollten in diesem Prozess der offenen Klärung und Kommunikation der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, ihrer Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten möglichst aktiv und gleichberechtigt mitarbeiten und gleichermaßen den Fähigkeiten ihres Therapeuten vertrauen können.