Fachklinik Waren - Zentrum für psychosomatische Rehabilitation und Verhaltensmedizin  
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Entwicklung und Aufrechterhaltung von Persönlichkeitsstörungen

  • Entwicklung und Aufrechterhaltung von Persönlichkeitsstörungen. Aus kognitiv-verhaltenstherapeutischer Sicht wird davon ausgegangen, dass sich Persönlichkeitsstörungen aus einem komplexen Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren entwickeln und dass die frühen fehlangepassten Schemata des Patienten eine zentrale Rolle bei Persönlichkeitsstörungen spielen.
  • Schemata sind äußerst stabile und durchgängige Eigenheiten des Denkens und Fühlens eines Menschen, die sich in der Kindheit und Jugendzeit entwickeln und über ein Leben lang erweitert werden. Sie beinhalten wichtige Überzeugungen und Gefühle hinsichtlich der eigenen Person und des Umfeldes. Frühe fehlangepasste  Schemata haben ihren Ursprung in chronisch ungünstigen und oft traumatischen Entwicklungsbedingungen wie z. B. chronischer Vernachlässigung, unzureichender Förderung der Entwicklung des Kindes, körperlichen Gewalterfahrungen, sexuellem und emotionalem Missbrauch oder dem Verlust wichtiger Bezugspersonen. Das Schema Abhängigkeit/Unfähigkeit (charakteristisch für die abhängige Persönlichkeitsstörung) bezieht sich z. B. auf die Überzeugung, nicht fähig zu sein, mit alltäglichen Verantwortlichkeiten kompetent und unabhängig umzugehen. Wenn es z.B. darum geht, Entscheidungen zu treffen oder neue Aufgaben anzupacken, verlassen sich Menschen mit diesem Schema übermäßig auf die Hilfe anderer. Im Allgemeinen entbehrten diese Menschen als Kinder ein förderliches Umfeld für die Entwicklung und wurden nicht ermutigt, unabhängig zu handeln sowie Vertrauen in ihre Fähigkeit, sich um sich selbst zu kümmern, zu entwickeln. 
  • Frühe fehlangepasste Schemata beinhalten Überzeugungen, die zu dem Zeitpunkt ihrer Entstehung möglicherweise richtig waren. Die fehlangepasste  Natur der Schemata wird gewöhnlich im späteren Leben in der Interaktion mit anderen Menschen sichtbar, wenn das Muster des Denkens und Fühlens weiterhin  den Umgang des Betreffenden mit anderen Menschen prägt, selbst wenn seine Wahrnehmungen und Interpretationen nicht mehr zutreffen und sich als gedankliche Verzerrungen und Fehlwahrnehmungen herausstellen. So kann jemand, der in seiner Kindheit missbraucht oder von Eltern, Geschwistern oder Gleichaltrigen ständig ungerecht behandelt wurde, ein Schema des Misstrauens/Missbrauchs entwickeln (charakteristisch für die paranoide oder die Borderline-Persönlichkeitsstörung) und befürchtet dann auch als Erwachsener durchgehend, von anderen Menschen verletzt, betrogen, missbraucht oder fallengelassen zu werden.
  • Frühe fehlangepasste Schemata sind oft lebenslange Muster des Denkens und Fühlens, die die individuelle Sichtweise und Interpretation der Außenwelt und das Verhalten beeinflussen und die der einzelne Mensch blind in seiner Wahrheit akzeptiert. Je traumatisierender, rigider oder eingeschränkter die Lernerfahrungen waren, desto starrer und unflexibler wird der einzelne Mensch an ihnen festhalten. Typisch für diese Denkeinstellungen von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie jeder Veränderung gegenüber sehr widerstandsfähig sind. 
  • Zur Bewältigung schmerzhafter Erlebnisse und Gefühle entwickeln die Betroffenen unterschiedliche Verhaltensweisen. Dieses durch frühe fehlangepasste Schemata geprägte zwischenmenschliche Verhalten stellt eine Art Schutz- und Überlebensfunktion dar (z.B. Rückzug aus sozialen Beziehungen bei der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung oder hilfesuchendes und klammerndes Verhalten bei der abhängigen Persönlichkeitsstörung) und soll sich wiederholende schmerzhafte seelische Verletzungen sowie Enttäuschungs- und Überforderungserlebnisse verhindern. Diese als Selbstschutz entstandenen Verhaltensweisen sind stereotyp, unflexibel und nicht angepasst an die Bedürfnisse der Bezugspersonen. Dies führt im zwischenmenschlichen Bereich nicht selten zu erheblichen Irritationen und löst Ablehnung, Kritik und Feindseligkeit aus, welche die Betroffenen an frühe Beziehungserfahrungen erinnern und deren fehlangepasstes Verhalten noch weiter verstärken. Auf diese Weise führen die interpersonellen Bewältigungsversuche in einem Teufelskreislauf zu einer Bestätigung der fehlangepassten Schemata, zur Aufrechterhaltung des Verhaltens und sie verhindern, dass neue Erfahrungen gemacht werden.
  • Das Verhalten der Betroffenen wird damit einerseits als eine aus der individuellen Lerngeschichte nachvollziehbare und subjektiv sinnvolle, im weiteren Lebenslauf aber untaugliche Anpassungs- und Überlebensstrategie zum Schutz vor zwischenmenschlichen Verletzungen aufgefasst, dann als spezifische Form einer  Persönlichkeitsstörung.


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Chefarzt

Dr. med. Otmar Kristof

Dr. med. Otmar Kristof

Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapie, Sozialmedizin, Rehabilitationswesen

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Fax +49 3991 635-426
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