Dr. med. Hubert C. Buschmann
Facharzt für Neurologie
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Wenn die Hilfe zur Co-Abhängigkeit wird
Selbsthilfegruppen-Fachtagung hatte Hilfe für mitbetroffene Angehörige zum Thema
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Unter dem herausforderndem Titel „Mitgegangen -Mitgefangen! Was hilft den Angehörigen“, stellte die AHG-Fachklinik Tönisstein in Bad Neuenahr bei ihrer alljährlichen Fachtagung für Selbsthilfegruppen die Angehörigen von Suchtkranken in den Mittelpunkt. Und wie das Echo auf die Einladung zeigte, war das Interesse der unterschiedlichen Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland von Dresden bis München, aber auch Luxemburg und Belgien, sehr groß. Etwas 100 Vertreter von Kreuzbund, Guttempler, Blaukreuzgruppen, Anonyme Alkoholiker, Suchthilfevereinigungen und Tönisstein-Freundeskreisen waren teils von weit her angereist.
Der Hintergrund: In Deutschland leben etwa 5 bis 7 Millionen Menschen in enger Gemeinschaft mit einem alkoholabhängigen Menschen. In ihrem engagierten Bemühen helfen zu wollen entwickeln sie aber oft Verhaltensweisen die die Abhängigkeit unterstützen. Oft machen sie sich dann vom Verhalten des Süchtigen abhängig. Diese Verstrickung wird als „Co-Abhängigkeit“ bezeichnet. Schon seit ihrer Gründung vor 30 Jahren befasst sich deshalb die AHG-Fachklinik Tönisstein mit den Angehörigen.
Dies stellten in ihrer Begrüßung auch der Teamleiter in der Klinik, Dr. Martin Wallroth, und die Therapeutin Kerstin Kluttig als Moderatorin der Fachtagung, heraus.
In Vorträgen und Workshops wurde die Problematik betrachtet und Erfahrungen ausgetauscht. Mit „Suchterkrankung ist auch Familienerkrankung“, setzte Wallroth ein Ausrufezeichen.
Die beiden fachkundigen Buchautoren, Ulla Schmalz und Berthold Student, selbst durch suchtkranke Angehörige betroffen, forderten im Vortrag ein solidarisches Eintreten für die Angehörigen und besonders die Kinder. Student sieht die Co-Abhängigkeit sogar als gleichwertige Problematik wie die Suchterkrankung selbst. Einig waren sie sich mit Wallroth und Kluttig , dass das Suchhilfesystem die Angehörigen viel stärker einbeziehen muss.
Kerstin Kluttig bedauerte, dass es Angehörigen oft schwer fällt in die Selbsthilfegruppen zu kommen. Wenn dann immer wieder gefragt wird, wie man denn seinem kranken Partner helfen kann, wird dann meist wieder die wichtige Frage „wie ich mir als Angehörigen helfen kann“ hinten angestellt. Aber das ist doch gerade die Frage der Co-Abhängigkeit, betonte sie bei der der Fachtagung.
Dr. Bernd Schneider ist ehemaliger Leitender Psychologe der Fachklinik und jetzt Leiter des AHG-Gesundheitsdienste in Koblenz. Im Workshop erarbeitete er mit den Teilnehmern der Fachtagung das Thema „Die Krise bewältigen und mit dem Unmöglichen leben". Mit der Wertung der schwerwiegenden Belastungen für Familien mit einem suchtmittelabhängigen Mitglied. Deutlich wurde, dass diese Belastungen zu Erkrankungen wie Depressionen und Ängste führen können. In jedem Falle bedarf das Zusammenleben mit einem Abhängigen großer Anstrengungen. Die aber auch dazu führen, dass Angehörigen oft besonders gute Fähigkeiten im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen entwickeln können.
Unter „Erste Hilfe für Angehörige“ bestärkten die Kerstin Kluttig, Barbara und Günther Richartz die Tagungsteilnehmer, dass Angehörigenseminare eine große Hilfe sein können.
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