Dr. med. Hubert C. Buschmann
Facharzt für Neurologie
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das Thema Lifestyle-Drogen füllt in den letzten Monaten nicht nur die Seiten und Sendeminuten der gedruckten und elektronischen Medien. Gestern bescherte es unter dem Titel „Wenn Erfolg süchtig macht - Lifestyle-Drogen im Beruf“ bei der diesjährigen Fachtagung der AHG-Klinik Tönisstein den großen Steigenberger Kurhaussaal. Eigentlich war als Tagungsort die Fachklinik selbst bestimmt worden. Doch die die große Zahl der Anmeldungen, 250 Teilnehmer aus ganz Deutschland, Belgien und Luxemburg, machte eine Verlegung ins Kurhaus notwendig.
„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, über dieses Thema zu informieren und gleichzeitig auch in den Workshops die Arbeitsweise in unserer Klinik vorzustellen“, begrüßt Chefarzt Dr. Hubert Buschmann die Gäste. Unter ihnen niedergelassene Ärzte, Therapeuten, Vertreter von betriebsärztlichen Diensten, Sozialberatungen, großen Firmen und Organisationen, Bundesbehörden und Ministerien, und auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Stadtbürgermeister Dr. Hans-Ulrich Tappe.
„Die renommierte Klinik Tönisstein ist ein Glücksfall auch für den Kreis Ahrweiler“, ging der Landrat mit Blick auf die große Teilnehmerzahl aus ganz Deutschland neben dem gesundheitspolitischen Aspekt auch auf die touristische Seite ein. Denn die Fachklinik führte mit den Patienten, deren Angehörigen, Seminar- und Tagungsteilnehmern in den vier Jahren in Bad Neuenahr jährlich geschätzte 5000 Gäste und Besucher in den Landkreis.
Die Beweggründe der AHG-Klinik sich dem Thema der Lifestyle-Drogen in der Arbeitswelt so intensiv zu widmen schilderte Chefarzt Buschmann sehr eindringlich. Aus Angst vor dem Vorgesetzten, aus Angst sein Pensum nicht zuschaffen, aber auch aus seinem eigenen Anspruch besonders leistungsfähig und süchtig nach beruflichem Erfolg zu sein, werden immer häufiger Drogen, Medikamente und verschiedene auf das Gehirn wirkende Substanzen eingenommen, um die Leistungsfähigkeit im Beruf zumindest scheinbar zu steigern. Die Folgen dieser Entwicklung, dieses Gebrauchs der so genannten Lifestyle-Drogen „erleben wir schon bei den ersten Patienten in unsere Klinik, die dafür ihren Preis zahlen mussten“, sagte er mahnend. Wegen der erhöhten Patientennachfrage in diesem Bereich wurde schon vor gut einem Jahr eine spezielle Behandlungsgruppe für diese Patienten in der Fachklinik Tönisstein etabliert. Und es freue ihn zu diesem sicherlich noch recht neuen Thema ausgewiesene Fachreferenten gewinnen zu können.
Die Leitende Psychologin der AHG-Klinik Tönisstein, Cora Kepka, moderierte die Fach- und Fortbildungsveranstaltung und stellte die beiden Referenten vor. Professor Dr. Dr. Dr. Felix Tretter, Chefarzt der Suchtabteilung des Klinikums München Ost, Haar, ging auch auf die gesellschaftlichen Hintergründe des Suchtverhaltens ein. „Es geht um Erfolg, um Geld, Arbeit und Status“. Er sprach von der Gefahr, wenn der Mensch zur chemischen Maschine wird. Dann, wenn er etwa in den Teufelskreis des Gebrauchs von psychoaktiven Medikamenten, wie Schlaf-, Aufputsch-, Schmerz- und Beruhigungsmitteln gerät.
Rolf Hüllinghorst war langjähriger Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm. „Hilfe ist möglich“, machte er allen von diesen Drogen abhängigen Menschen Mut. Doch dazu gehört für in als zentraler und entscheidender Punkt die entsprechenden Motivation.
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des „Tönissteiner Medienpreises 2009“. Ihn erhielt der 30-jährige Redakteur der Wirtschaftswoche, Jens Tönnesmann. Laudator Dr. Volker Weissinger, Geschäftsführer des Fachverband Sucht in Bonn, lobte seinen siebenseitigen Beitrag in der Wirtschaftswoche zum Tagungsthema unter dem Titel. „Auf dem Karrieretrip - Tabletten und Drogen“ als eine „runde Sache, die die verschiedenen Facetten von Lifestyle-Drogen im Beruf umfasst“.
Zur Fachtagung gehörte auch eine Reihe von Workshops. Den Workshop „Lifestyle-Drogen: notwendiges Übel oder überflüssige Sucht?“ leitete Dr. Hubert Buschmann und im Pendant „Zur Psychischen Gesundheit des mittleren Management- psychotherapeutische Herausforderung“, arbeiteten Dr. Bernd Schneider und Uwe Kallina ebenfalls mit Tagungsteilnehmern zusammen.
Einen bildlichen Eindruck von der Veranstaltung können Sie sich hier machen.
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