AHG Klinik Richelsdorf  
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Alkohol fördert die Gewalt

Professor Doktor Michael Klein
Prof. Dr. Michael Klein

13. Richelsdorfer Gespräch: Prof. Dr. Michael Klein über Zusammenhänge bei Aggressivität

Richelsdorf. „Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und gewalttätigen Handlungen gibt“. Dies sagte Professor Dr. Michael Klein kürzlich beim 13. Richelsdorfer Gespräch in der AHG Klinik Richelsdorf.

Der Referent, Leiter des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln, sprach vor über 270 Teilnehmern aus verschiedenen Bereichen der Suchthilfe. „Diese große Besucherzahl macht deutlich, wie bedeutend und aktuell das Thema Gewaltverhalten unter Alkoholeinfluss ist“, betonte der leitende Psychologe der AHG Klinik, Alfred Scheib. Er zitiert dazu eine kleine Randnotiz aus der Tageszeitung des Veranstaltungstages: „Bei Hausbesuchen wegen familiärer Streitigkeiten erlitten bundesweit ebenso viele Polizeibeamte schwere Verletzungen wie bei Demonstrationen und Stadion-Einsätzen“.

Anhand wissenschaftlicher Untersuchungen und Statistiken belegte Professor Klein den deutlichen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und gewalttätigen Handlungen. Mehr als 30 Prozent aller Gewaltverbrechen geschehen demnach unter Alkoholeinfluss. Besonders hoch sei der Anteil der betrunkenen Täter bei schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Bei 51 Prozent gewalttätiger Paarbeziehungen sei ein erhöhter Alkoholkonsum des Täters festgestellt worden. Über 90 Prozent der Personen, die an körperlichen Auseinandersetzungen beteiligt waren, hätten im Durchschnitt 210 Gramm Alkohol konsumiert. Diese Zahl beziehe sich vor allem auf Jugendliche. „Das sind etwa 22 Gläser Kölsch“, zitierte der Kölner Wissenschaftler eine aktuelle Studie. Allerdings gebe es dabei zahlreiche Wechselwirkungen und Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, soziale Herkunft, eigene Gewalterlebnisse, Tageszeit, Wetter oder andere Reize, räumte der Fachmann für Suchtforschung ein. Mehr als ein Drittel aller männlichen Alkoholabhängigen seien gewalttätig und wiesen somit neben ihrer Abhängigkeitserkrankung ein weiteres, schwerwiegendes Problem auf. „Die Tendenz zur Gewalttätigkeit – bisweilen auch ohne Alkoholeinfluss – stellt ein eigenes behandlungsbedürftiges Verhaltenssyndrom dar“, ergänzte Professor Klein. Dabei spielten neben sozialen und biologischen Ursachen insbesondere psychologische Faktoren eine entscheidende Rolle.

In der Verfügbarkeit von Alkohol sah Klein eine wesentliche Ursache für das Problem und sprach sich für weniger Alkoholverkaufsstellen und Preiserhöhungen aus. Wichtig seien Eigenkontrolle und Grenzsetzung. Nachdrücklich forderte der Referent eine frühzeitige Prävention schon im Kindergartenalter. Anti-Aggressivitätstrainings und Gewalttherapien seien außerdem richtige Wege, um Risikofaktoren zu verhindern. „Ich bin zum Richelsdorfer Gespräch gekommen, um mich zu informieren und Lösungen zu finden. Meine Erwartungen sind erfüllt worden. Ich habe viel erfahren, und ganz wichtig war mir der Austausch mit Anderen", resümierte eine Tagungsteilnehmerin am Ende der Veranstaltung zufrieden. (zwk)



Weitere Informationen

Chefärztin

Chefärztin Dr. med. Dipl. Psych. Heike Hinz

Dr. med. Dipl. Psych. Heike Hinz

Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Zusatztitel Sozialmedizin und Suchtmedizin, Diplom-Psychologin

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