AHG Klinik Richelsdorf  
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Paarbehandlung

KONZEPT für die gemeinsame Behandlung zweier alkohol-, medikamentenabhängiger oder polytoxikomaner Partner in der Fachklinik Richelsdorf


Wenn zwei suchtkranke Partner sich gemeinsam zu einer Entwöhnungsbehandlung entschließen können, ist das ein unterstützenswerter und für beide und die Beziehung konstruktiver Beschluss. Meist wird eine getrennte Behandlung in verschiedenen Suchtkliniken als beängstigend erlebt, da der einzige Bezugspunkt, der im Elend der Suchterkrankung noch zur Verfügung steht, verloren geht. Die Partner zu trennen ist auch aus unserer Sicht häufig nicht sinnvoll, da das Paarproblem und die Zukunft in der Beziehung dann nicht bearbeitet werden kann. Wir haben ein Konzept entwickelt, das einerseits dem Bedürfnis nach Zusammensein der Partner Rechnung trägt, andererseits aber auch eine prognostisch ungünstige symbiotische Verschmelzung vermeiden hilft. Den durchaus unterschiedlichen individuellen Hintergründen der Suchterkrankung und den individuellen Entwicklungsmöglichkeiten wird ebenso Raum gegeben, wie der Auseinandersetzung mit dem gemeinsamen Leben. Wir kombinieren daher Bereiche der gemeinsamen Behandlung mit Bereichen der getrennten Behandlung. Die Therapie gliedert sich in drei Bereiche:

  • Gemeinsame Aufnahme in der Fachklinik Richelsdorf und Freizeitgestaltung
  • Getrennte Entwöhnungsbehandlung in verschiedenen Therapiegruppen
  • Gemeinsame Teilnahme an Angehörigenseminaren, Paargesprächen und der dreitägigen Wochenendheimfahrt

 Ziel und Inhalt der psychotherapeutischen Behandlung ist neben der Entwicklung von Abstinenzfähigkeit die Verbesserung der Beziehungs- und Kontaktfähigkeit beider Partner, unter Berücksichtigung ihrer Verbundenheit. Dadurch, dass beide im Rahmen der therapeutischen Veranstaltungen Kontakte zu anderen Menschen aufbauen, werden neben der engen – und meist in der letzten Zeit ausschließlichen – Verbundenheit zu dem Partner neue Kontakte und Begegnungsmöglichkeiten erlebt und eingeübt. Es werden wieder differenzierte soziale Rollen eingenommen. Damit steigt die Fähigkeit und die Bereitschaft neben der Partnerbeziehung andere helfende Kontakte zu suchen. Wenn die Patientinnen und Patienten bei Konflikten mit dem Partner nicht mehr als einzige Ausweichmöglichkeit den Suchtstoffkonsum zur Verfügung haben, ist ein gemeinsames abstinentes, damit gesundes und sozial integriertes Leben möglich.

 

 Die Bereiche der Behandlung

1. Gemeinsame Therapie

Die beiden Partner werden gemeinsam in die Fachklinik Richelsdorf aufgenommen. In der therapiefreien Zeit verbringen sie einen Teil der Freizeit miteinander, erleben dabei die für ihre Beziehung typischen Konflikte und Lösungsmechanismen. Wie der Suchtstoffkonsum Mittel der Auseinandersetzung ist, aber auch zur einzigen Möglichkeit sich getrennt und autonom zu empfinden geworden ist, wird in seinem Fehlen spürbar und bearbeitbar. Verlorengegangene oder alternative Lösungen können in der Gruppen- und Einzeltherapie oder in den Paargesprächen gesucht und dann im „Realraum“ der Klinik eingeübt werden. Erfahrungsgemäß sind die MitPatientinnen und Patienten in ihren Beobachtungen und Hinweisen dabei eine große Hilfe.

 

2. Getrennte Therapie

Die beiden Partner integrieren sich in je eine eigene Therapiegruppe und nehmen an dem gesamten Programm ihrer Gruppe teil. Jeder der beiden Partner hat einen eigenen Therapeuten, mit dem die individuellen Probleme besprochen werden können. In der Gruppen- und Einzelpsychotherapie wird das Verständnis für die individuelle Dynamik der Suchterkrankung vertieft und neue Lösungsmöglichkeiten für die zugrunde liegenden Konflikte gesucht.

 

3. Paarspezifische Angebote

Regelmäßig finden nach einer Eingewöhnungsphase Paargespräche unter Leitung eines dritten -neutralen- Therapeuten statt. Der Paartherapeut ist Moderator für das Gespräch zwischen den beiden Partnern, unterstützt die Gestaltung der Beziehung, hilft beim Einüben neuer und hilfreicher Auseinandersetzungsformen und bei der Entwicklung einer gemeinsamen Zukunftsperspektive.

Beide Partner nehmen gemeinsam an den Angehörigenseminaren teil. Durch das Zusammensein mit anderen Paaren erleben sie die besondere Problematik ihrer Beziehung, können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Paarbeziehungen erkennen und reflektieren, erhalten Anregung für die Veränderung und Gestaltung ihrer Beziehung.

4. Gemeinsame Heimfahrt

Die Partner versuchen während der gemeinsamen Heimfahrt das Erreichte in der häuslichen Umgebung umzusetzen und arbeiten die Erfahrung anschließend in der Psychotherapie durch. Außerdem suchen sie eine Selbsthilfegruppe und/oder die Beratungsstelle auf, um so die Kontakte für die Nachbetreuung zu sichern und zu festigen. Vorher ist zu klären, ob gemeinsame oder getrennte Nachsorge vorzuziehen ist.

 

5. Mitaufnahme von Kindern

Kinder können in unserer Klinik mit aufgenommen werden. Entsprechend unserem Mutter-Kind-Konzept nehmen sie an altersentsprechenden Programmen teil. Da Kinder häufig Projektionsfläche für Beziehungsstörungen sind und sie Konflikte der Eltern austragen, ist hier ein weiteres Problemfeld, das in der Klinik neben der individuellen und der Beziehungsproblematik entsteht. Da in dieser Konstellation in der Regel eine Überforderung und Unübersichtlichkeit und damit eine Gefährdung des primären Therapieziels eines abstinenten Lebens zu beobachten ist, empfehlen wir Paaren zunächst einmal die Entwöhnungsbehandlung ohne die Kinder zu beginnen. Die Kinder können zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, wenn sich dies als sinnvoll erweist.

6. Zusammenfassung

Unser Konzept trägt einerseits der symbiotischen Verklammerung der beiden abhängigen Partner Rechnung. Andererseits bietet es die Möglichkeit, dass beide erste Schritte aus der gegenseitigen Abhängigkeit in zusätzliche Beziehung und eine angemessene Distanzregulierung gehen können. Durch die Möglichkeit zu Kontakten wird die Belastungsfähigkeit der beiden Partner nicht überfordert, und ein psychotherapeutisch begleitetes Einüben und Festigen der erlernten neuen Beziehungsgestaltung gewährleistet. Trennung und Kontaktabbruch mit der Folge, dass alte Muster in neuen Beziehungen wiederholt werden, werden vermieden und damit ein dauerhaft abstinentes Leben auch durch Konflikte hindurch möglich.

 

Weitere Informationen

Chefärztin

Chefärztin Dr. med. Dipl. Psych. Heike Hinz

Dr. med. Dipl. Psych. Heike Hinz

Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Zusatztitel Sozialmedizin und Suchtmedizin, Diplom-Psychologin

Kontakt:

Tel. +49 6626 9222-0
Fax +49 6626 9222-129
E-Mail richelsdorf@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik Richelsdorf
Kirchrain 2a
36208 Wildeck-Richelsdorf