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Ergänzungskonzept Jugendliche und junge Erwachsene

ERGÄNZUNGSKONZEPT für die stationäre Entwöhnungsbehandlung von alkoholabhängigen oder polytoxikomanen Jugendlichen und jungen Erwachsenen


In unserer Kultur beginnen Kinder und Jugendliche immer früher mit dem Alkoholkonsum. Lag noch vor einigen Jahrzehnten der Erstkonsum von Alkohol zu Konfirmation oder Jugendweihe bei einem Alter von ca. 15 Jahren, ist heute erster sozial akzeptierter Alkoholkonsum bereits bei 11-Jährigen die Regel. Neue Trinkgewohnheiten und riskante Konsummuster von Alkohol und illegalen Drogen nehmen unter Jugendlichen zu. So entsteht auch Alkoholabhängigkeit in immer früherem Alter. Etwa 1% der 14-15-Jährigen und knapp 7% der 18-21-Jährigen können als alkoholabhängig angesehen werden.

Substanzabhängigkeit stellt sich als unangemessene Form der Bewältigung von Krisen des Jugendalters dar. Da sich in dieser Lebensphase viele Entwicklungsschritte erst vollziehen, behindert eine Suchtproblematik die für eine Bewältigung von Entwicklungsaufgaben notwendige Ausbildung aktiver Handlungs- und Stressbewältigungskompetenzen in besonders nachteiliger Weise.

Die Alkoholabhängigkeit ist oft durch die gleichzeitige Einnahme illegaler Drogen (meist Marihuana oder Ecstasy) kompliziert. Bei der Einnahme bewusstseinserweiternder Drogen ist in den letzten Jahren ein beträchtlicher Anstieg zu verzeichnen. Infolge Mischkonsums von Alkohol, Cannabis und Amphetaminen können sich, ohne dass die jungen Menschen dem Drogenmilieu zuzurechnen sind, ausgeprägte Störungsbilder entwickeln mit dysphorischen Zuständen, erhöhter Impulsivität und Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen und Motivationsverlust. Folgen sind schulische und familiäre Probleme; sie gehen bis hin zu Schulausschluss und sozialer Desintegration. Diese Patientinnen und Patienten benötigen ein speziell auf ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Probleme zugeschnittenes Behandlungskonzept.

Die AHG Klink Richelsdorf hat ein Konzept entwickelt, um die jüngeren Patientinnen und Patienten mit einem besonderen Programm zu behandeln.

 

Zielgruppe

 

Behandlungsziele

  • Neuorientierung und Klärung entwicklungsangemessener persönlicher Sinninhalte und Ziele
  • Klärung der beruflichen/schulischen Perspektive
  • Aufbau eines positiven Selbstkonzepts
  • Verbesserung der Selbstkontrolle, der Impulskontrolle
  • und Empathiefähigkeit
  • Abbau einer überstarken oder ausschließlichen Anpassung an die Gleichaltrigengruppe
  • Verbesserung des Umgangs mit Hemmungen, Ängsten
  • oder aggressiven Neigungen im sozialen Kontakt
  • Aneignung von Konfliktlösungsstrategien, Problemlösefertigkeiten und psychosozialen Kompetenzen, um ohne Suchtmittel zurechtzukommen

 

Behandlungsrahmen

Die AHG Klink Richelsdorf ist mit 80 Plätzen für Frauen und Männer und 12 Plätzen für Begleitkinder eine überschaubare Einrichtung mit familiärer Atmosphäre. Zum Anwesen gehören Werkstattbereich, Sporthalle, sowie eine großzügige Außenanlage mit Garten-, Sport- und Freizeitfläche.

Unsere Jugendlichen und jungen erwachsenen Patientinnen und Patienten  werden in einer altersspezifischen Therapiegruppe behandelt.

Ab August 2013 nehmen wir unsere jungen Patienten in zwei kleine Spezialgruppen à jeweils acht Patienten auf. Dadurch haben sie die Möglichkeit, ihre speziellen Probleme in kleinen Gruppen anzusprechen und zu bearbeiten (z. B. intensives Anti-Aggressionstraining, Auseinandersetzung mit Jugendspezifischen Suchtmitteln oder dem Gebrauch von elektronischen Medien). Die Therapeutinnen haben Zeit für Einzelkontakte, die beiden Gruppen konkurrieren um den Erfolg.

Die Jüngeren profitieren von dem stabileren Wertesystem der Älteren  und sozial besser integrierten Patientinnen und Patienten und entwickeln durch Identifikation und Imitation neue Fähigkeiten. Auch eine Auseinandersetzung mit Autoritäten und Reibung an den Forderungen des Erwachsenwerdens sind so möglich und helfen ebenso wie konstruktives und lustvolles Konkurrieren bei der Persönlichkeitsreifung. Unsere jungen Patienten teilen das Doppelzimmer deshalb auch mit einem erwachsenen Patienten.

Die Entwöhnungsbehandlung umfasst in der Regel 12–16 Wochen. Bereits frühzeitig im Therapieverlauf beginnt eine Kontaktaufnahme zum nachbehandelnden Versorgungsnetz und Einleitung der voll- bzw. teilstationären oder ambulanten Behandlungsfortführung.

 

Behandlungsbausteine Psychotherapie

Die wöchentlich 4 Gruppentherapiesitzungen á 90 Minuten, die Gruppensitzungen  im Rahmen der Adoleszentengruppe und mindestens ein bzw. bedarfsabhängig mehrere Einzelgespräche erfolgen angepasst an die Lebensrealität Jugendlicher/junger Erwachsener und die Bedürfnisse jeder/s Patientin/en.

 

Milieutherapie

Spezielle Therapieangebote für unsere jüngeren Patientinnen und Patienten sind u.a. das Kanutraining auf der Werra mit klinikeigenen Booten und die Beschäftigung mit Tieren auf einem Pferdehof. Im Rahmen des „Waldprojekts“ sind die männlichen Jugendlichen/jungen Erwachsenen fortlaufend und gemeinsam im Forst engagiert.

Diese Projekte tragen dem Bedürfnis nach Erfahrung eigener Grenzen (aber auch Erfolgen) Rechnung, fördern das Erleben von Gemeinschaft bei Bewältigung neuartiger Herausforderungen.

Für unsere jungen Patienten haben wir zusätzlich geleitete Freizeitangebote am Wochenende.

 

Psychoedukative Maßnahmen

Die Therapie bietet eine an den Erfordernissen der jungen Patientinnen und Patienten angepasste Wissensvermittlung zu Grund begriffen der Abhängigkeit, deren Hintergründen und Gefahren und der Folgewirkung von Substanzen. Im Rückfallprophylaxetraining werden Techniken zur Früherkennung und Unterbrechung eines sich anbahnenden Rückfallgeschehens vermittelt und systematisch eingeübt.

 

Sport- und Bewegungstherapie

Die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und das Entwickeln von Freude an Bewegung ist Ziel der zweimal wöchentlichen Bewegungstherapie, der regelmäßigen täglichen Frühgymnastik und des Freizeittrainings (Fitnessraum, Tischtennis, Rudern, Schwimmen, Fahrradfahren, Nordic-Walking, Jogging, Kegeln usw.). Körperliche Ressourcen zu entdecken und zu nutzen, verbessert Stimmung und Antrieb und wirkt antidepressiv.

 

Arbeitstherapie

Der beruflichen/schulischen Perspektive kommt als zentralem protektivem Faktor besondere Bedeutung zu. Ihr wird über Informationsveranstaltungen des Arbeitsamts, dem Bewerbungstraining, EDV-Kursen und vielfältigen lebenspraktisch- handwerklichen Lern- und Beschäftigungsangeboten Rechnung getragen. Alle arbeitslosen Patientinnen und Patienten nehmen an der Arbeitstherapie teil. Eine Belastungserprobung und Heranführung an die Erfordernisse des Arbeitsmarkts ist darüber hinaus während 4-wöchiger externer Betriebspraktika möglich.

Häufig erstmalig wird unter Anleitung Verantwortung im hauswirtschaftlichen Bereich übernommen. Da das im Gruppenkontext geschieht, wird es auch als lustvolle Betätigung erlebt.

 

Familienseminar, Familien- und Paargespräche

Die umfassende Unterstützung der Eltern in ihren Erziehungsfunktionen ist bei in ihrer Familie lebenden Patientinnen und Patienten unabdingbarer Behandlungsbestandteil. Paarberatung und die Teilnahme am Familienseminar können bei einer festen Partnerschaft entscheidenden Einfluss auf die Abstinenzfähigkeit nehmen.

 

Weitere indikative und Wahl-Angebote

Um das meist sehr eingeschränkte Erfahrungs- und Erlebnisfeld zu verbreitern, werden die Patientinnen und Patienten angeregt, künstlerische Gestaltung im Rahmen der Kreativtherapie auszuprobieren und weitere Angebote wie die Theater-AG, Krankengymnastik, Entspannungsverfahren, Chi-Gong, u.ä. zu nutzen. Eine Auseinandersetzung mit der (bestehenden oder zukünftigen) Elternrolle ist über den Kontakt zu Begleitkindern von Mitpatientinnen und -patienten und Patienten und Patienten unter Anleitung der Erzieherin und durch Unterstützung der Eltern in der Versorgung und Betreuung der Kinder in der therapiefreien Zeit möglich.

 

Weitere Informationen

Chefärztin

Chefärztin Frau Dr. Heike Hinz

Dr. med. Dipl. Psych. Heike Hinz

Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Zusatztitel Sozialmedizin und Suchtmedizin, Diplom-Psychologin

Kontakt:

Tel. +49 6626 9222-0
Fax +49 6626 9222-129
E-Mail richelsdorf-kontakt@median-kliniken.de


Adresse:
MEDIAN Klinik Richelsdorf
Kirchrain 2a
36208 Wildeck-Richelsdorf