1. Wissenschaftliche Therapie soll an Ursachenmodellen orientiert sein. Für die Suchttherapie ist dies das biopsycho- soziale Rahmenmodell. Da Sucht ein „psychisches“
bzw. ein „Verhaltens“-Problem darstellt, sind psychologische Kategorien für das Verstehen der Sucht wichtig.
2. Ursprünglich wurde über die Psychiatrie und über Selbsthilfegruppen das kausale Konzept der „Willensschwäche“ appellativ den Betroffenen vermittelt. Lerntheoretisch begründet sollte vor allem die Verstärkung der negativen Konsequenzen (
z. B. Sanktionen) die „Änderungsmotivation“ bewirken. Kognitiven Faktoren wurde erst allmählich und dem Bereich der Emotionen erst durch die Forderung der Empathie beim „motivationalen Interview“ im Umgang mit Süchtigen Bedeutung und Beachtung eingeräumt.
3. Die Veränderungsresistenz wirft die prinzipielle Frage nach der „Determiniertheit“ menschlichen Verhaltens
bzw. nach dem „freien Willen“ des Menschen auf. Neurobiologische Befunde (
z. B. Libet) scheinen die Determiniertheit zu bestätigen, sodass sich fragt, wie denn dann die selbstbestimmte Entscheidung zur Therapie /
Abstinenz zustande kommt. Grundlegende Konzepte aus Philosophie und Psychologie sollen diskutiert und auf ein „ökosystemisches Konzept“ (Tretter) bezogen werden.