Aktuelles
AHG Klinik Münchwies aktuell - Spezielles Behandlungsangebot der AHG Klinik Münchwies
27.10.2011 – Pathologischer PC-/Internet-Gebrauch
Seit dem Jahr 2005 werden in der AHG Klinik Münchwies in zunehmendem Umfang Patientinnen und Patienten wegen pathologischem PC-/Internet-Gebrauch (auch Computerspielsucht, Internetabhängigkeit, Internet- oder Onlinesucht genannt) behandelt. Mittlerweile nehmen pro Jahr 70 bis 80 Betroffene das Behandlungsangebot in Anspruch. Die Klinik hat vor diesem Hintergrund ein spezielles Therapiekonzept entwickelt, das sich bereits in der wissenschaftlichen Überprüfung bewährt hat.
Beim pathologischen Gebrauch von PC und Internet wird unterschieden zwischen exzessivem Spielen (WoW - World of Warcraft, Shooterspiele), exzessivem Chatten (vor allem in sozialen Netzwerken) und dem ausufernden, letztlich ziellosen Surfen. Versunken und verloren in der Welt der Computer - dieser Zustand führt auch zu teilweise gravierenden gesundheitlichen und sozialen Problemen. So kann das Medium bei anfälligen Personen schwere Störungen bedingen, sowohl im Entwicklungsprozess Heranwachsender, als auch im Alltags- und Arbeitsleben Erwachsener. Eine besondere Komplikation ergibt sich durch die nahezu immer anzutreffende psychische und körperliche Komorbidität . Im Falle des pathologischen PC-/Internet-Gebrauchs sind dies am häufigsten depressive Störungen, die ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung sowie Tabak- und Cannabisabhängigkeit.
Bei einer rechtzeitig begonnen Therapie und einer fachkundigen Behandlung ist die Prognose gut. Dabei kommt es in der Behandlung darauf an, die dem pathologischen PC-Gebrauch zu Grunde liegenden persönlichen Probleme, wie Selbstabwertung, Antriebsverlust, Ängste vor anderen, Misserfolgsorientierung oder Hilflosigkeit abzubauen. In der Therapie wird ein individuelles Verständnis für die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen des PC-/Internet-Gebrauchs und gesunde Alternativen für die Lösung, die bislang in der PC-Aktivität gesucht wurden erarbeitet. Dies erfordert eine Auseinandersetzung mit der Sicht vom Selbst, sowie der Art und Weise, wie mit schwierigen Gefühlen und mit Anderen im Kontakt umgegangen wird. Die Klinik setzt dabei auf eine erlebnisaktivierende therapeutische Vorgehensweise, die die Überlegenheit der realen vor der virtuellen Welt deutlich werden lässt und dem Betroffenen hilft, in seiner Lebenswirklichkeit wieder Fuß zu fassen.
Die Behandlung ist eingebettet in das Basisprogramm einer therapeutischen Wohngruppe, in der 12 Patienten miteinander leben und die Therapie gemeinsam durchlaufen. Dadurch ist für ein dichtes therapeutisches Umfeld gesorgt, das vielfältige Lernmöglichkeiten bietet. Zahlreiche Anfragen von Selbstbetroffenen und Angehörigen machen deutlich, dass die Therapie dieser komplexen Verhaltensstörung für die Klinik auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe sein wird.
In dem Kurzfilm ‚Abschalten statt abdriften, den Sie über die Startseite unter 'Lernen Sie uns im Video kennen' finden, wird das Münchwieser Therapieprogramm anschaulich dargestellt. Die DVD wurde in Ergänzung zum gleichnamigen Buch von Petra Schuhler und Monika Vogelgesang erstellt. Das Therapiebegleitbuch für Betroffene ist 2011 im Weinheimer Beltz Verlag erschienen. Die beiden Autorinnen haben des Weiteren eine Therapieanleitung für PsychotherapeutInnen erstellt, die 2012 im Hogrefe Verlag in Göttingen erscheinen wird.