Psychosomatische Fachklink Münchwies  
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Gruppentherapiesitzung
Gruppentherapiesitzung

Bis heute wird die AHG Klinik Münchwies von ihren spezifischen Entwicklungsbedingungen geprägt. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Hauses lohnt sich deshalb ein kurzer Rückblick: Im Sommer 1977 nahm die Klinik ihren Betrieb auf. Die Konzeption war für damalige Begriffe sehr modern und durchaus gewagt: Unter einem Dach sollten sowohl Entwöhnungstherapien als auch psychosomatische Rehabilitationsbehandlungen durchgeführt werden. Im Spannungsfeld zwischen einer Suchttherapie, die gleichwertig von restriktiven Normen und dem Ideengut der Selbsthilfebewegung geprägt war sowie einer fest im Denkkosmos der professionellen Psychotherapie verwurzelten Psychosomatik, begann die junge Klinik sich zu entwickeln.


Vor diesem Hintergrund gehörte es von Anbeginn dazu, dass die therapeutischen Vorgehensweisen hinterfragt, diskutiert und, falls erforderlich, weiterentwickelt wurden. Nichts war selbstverständlich, nichts erhielt seine Legitimation dadurch, dass es „schon immer so gewesen war“. Da die Klinikleitung auch in schwierigen Zeiten immer an beiden Indikationen festhielt und die Mitarbeiterschaft ein ausreichendes Ausmaß an Flexibilität mitbrachte, konnte sich schließlich eine Symbiose entwickeln, in der beide Abteilungen in gleichem Umfang bis heute voneinander lernen: Das aus der Selbsthilfegruppenbewegung der Abhängigkeitserkrankungen stammende Prinzip der Eigenverantwortlichkeit erwies sich z.B. als ein Ansatz, von welchem auch psychosomatisch Kranke bezüglich ihres Therapieverständnisses in erheblichem Umfang profitieren können, denn gerade die verhaltenstherapeutische Schule, die im Laufe der Münchwieser Entwicklung immer mehr an Einfluss gewann, stellt die Mitarbeit der Betroffenen in den Mittelpunkt der Psychotherapie.

Die Einbettung der Suchttherapie in schulenspezifische psychotherapeutische Verstehenszusammenhänge und damit in engem Zusammenhang stehend die theoretische Konzeptualisierung von psychotherapeutischen Vorgehensweisen waren hingegen Vorgänge, welche durch die Nähe der Psychosomatik zum Bereich der Suchterkrankungen ermöglicht wurden.

Das von der Abhängigkeitsabteilung übernommene Zusammenleben in therapeutischen Wohngruppen bereicherte die Münchwieser Psychosomatik in erheblichem Ausmaß, da der Mikrokosmos der Wohngruppe als Erfahrungsund Lernfeld der Therapie genutzt werden konnte und insbesondere der Gruppentherapie wesentliche Impulse lieferte. Nicht zuletzt war auch das Primat des gruppentherapeutischen Ansatzes ein Geschenk der Suchtbehandlung an die psychosomatische Therapie.


Einzeltherapie
Einzeltherapie

All diese Beispiele verdeutlichen, dass das Reibungsfeld zwischen den beiden Münchwieser Abteilungen schnell zur Zündfläche für neue, sich gegenseitig befruchtende Ideen wurde: So entstanden in Münchwies eine ganze Reihe neuer Therapiekonzepte, bevorzugt auch bezüglich Störungen, welche im Grenzbereich zwischen Sucht und Psychosomatik angesiedelt sind. Beispielsweise wurde hier schon vor mehr als zwei Jahrzehnten die Problematik des pathologischen Glücksspielens beobachtet, kategorisiert und beschrieben. Es wurde eine Therapiekonzeption entwickelt und in anspruchsvollen wissenschaftlichen Studien evaluiert. Lehrbücher wurden zu dem Thema geschrieben und in Expertenkommissionen wurden entsprechende Stellen besetzt. Eine inzwischen fast unüberschaubare Anzahl an Vorträgen und Workshops wurde zu dem Thema gehalten. All diese Bemühungen waren nicht ohne Erfolg: Schon seit längerer Zeit behauptet Münchwies seine Stellung als Marktführer im Bereich der Therapie des pathologischen Glücksspielens. Bei insgesamt steigender Tendenz wird in der BRD ein Viertel aller stationären Behandlungen aus diesem Diagnosesegment in Münchwies durchgeführt.

Die integrativ-verhaltenstherapeutische Behandlung der Essstörungen Anorexia und Bulimia nervosa, gerade auch in Verbindung mit einer Substanzabhängigkeit, ist eine weitere Münchwieser Kernkompetenz mit langjähriger Tradition, Evaluationsforschung und umfassender Publikation. Auch bezüglich der Therapie der extremen Fettsucht (Adipositas per magna) hat das Haus ein spezifisches, wissenschaftlich begleitetes Programm entwickelt und veröffentlicht. Der dem Konzept zugrunde liegende suchttherapeutische Ansatz des extremen Übergewichtes wird von den Betroffenen sehr gut angenommen, da es ihrer tagtäglichen Erfahrung entspricht, in geradezu süchtiger Weise große Nahrungsmengen einzunehmen.

Menschen, die noch nicht substanzabhängig sind, sich aber schon durch Substanzkonsum schädigen, bilden eine Gruppe, die lange Zeit keine adäquate therapeutische Hilfe erfahren konnte, da in der konventionellen Psychosomatik der Substanzkonsum kaum oder gar nicht problematisiert wurde, im Suchtbereich definitionsgemäß aber nur die bereits voll ausgebildete Abhängigkeit behandelt wird. Das gut evaluierte Münchwieser Programm für PatientInnen mit schädlichem Alkohol- bzw. Medikamentenkonsum ist bis dato das am besten bekannte und am umfassendsten publizierte Konzept in diesem Gebiet.

Ein weiterer Schwerpunkt des Hauses liegt im Bereich der Psychotraumatologie. Mit die ersten deutschsprachigen Publikationen zur Therapie der posttraumatischen Belastungsstörung kommen aus Münchwies. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Neurobiologie und der Traumaforschung wurden fortlaufend integriert, so dass z.B. das EMDR (Eye Movement Desentisation and Reprocessing) schon längst zum traumatherapeutischen Standard- Repertoire des Hauses gehört.

Die auf einem kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientierten Verstehensansatz basierenden Behandlungsformen von Persönlichkeitsstörungen wurden in speziellen Programmen ebenfalls in Münchwies (mit)entwickelt und evaluiert. Trotz der schwierigen Thematik finden sie bei den Betroffenen durchgängig eine breite Akzeptanz und erweisen sich als sehr erfolgreich.

Vor dem Hintergrund des hohen Frauenanteils unter den Patienten und der fast seit Gründung des Hauses in weiblicher Hand liegenden medizinisch-therapeutischen Klinikleitung, zeichnet sich Münchwies durch eine besondere Sensibilität bezüglich Genderaspekten aus. Frühzeitig wurden spezifische Behandlungskonzepte entwickelt und schon bald durch männerspezifische Ansätze bereichert. Die gelebte Praxis und die kontinuierlichen Publikationen aus dem genderorientierten Therapiefeld führten dazu, dass Münchwies schon seit längerer Zeit für seine geschlechtsspezifische Sichtweise und (Gruppen-)Therapieansätze bekannt ist. Es gibt im breiten Umfeld kein Haus, das den Genderaspekt so lange, so umfassend und so konsequent praktiziert. Nicht wenige Zuweisungen, gerade weiblicher Patienten, erfolgen vor diesem Hintergrund. Die Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Aspekte hat unter anderem auch dazu geführt, dass im Haus sehr individuelle und familienfreundliche Bedingungen bezüglich Teilzeitarbeiten und einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten besteht.

In der jüngeren Vergangenheit wurde das gesamte Therapieprogramm vor dem Hintergrund berufsbezogener Aspekte weiter flexibilisiert und erweitert. So erfolgt die Zuteilung zur Sporttherapie leistungsbezogen und die Ergotherapie hat neben dem traditionell kreativ- und ausdrucksorientierten Bereich einen starken arbeitsbezogenen Teil hinzugewonnen, der dem Münchwieser Angestelltenklientel angepasst ist. Das spezifische gruppentherapeutische Programm „Problembewältigung am Arbeitsplatz“ läuft erfolgreich seit 2001. Auch in der Soziotherapie und der allgemeinen Psychotherapie wurden spezifische berufsbezogene Gruppen etabliert.

Seit längerer Zeit forscht und publiziert das Haus unter anderem an Themen der seelischen Mehrfacherkrankungen, denn es ist inzwischen selten, dass ein Patient mit nur einer seelischen Störung zur Therapie nach Münchwies kommt. Die seelisch in vielfacher Hinsicht beeinträchtigten Menschen erfordern besondere therapeutische Vorgehensweisen, da sich die Auswirkungen ihrer Störungen nicht nur summieren, sondern unter Umständen sogar potenzieren können.

Weitere Felder des besonderen Interesses sind in Münchwies neue psychische Störungen, wie z.B. das pathologische Kaufverhalten und insbesondere auch der pathologische PC-Gebrauch (umgangssprachlich „Computersucht“ genannt). Gerade diese vor einigen Jahren noch unbekannte Störung verdeutlicht, dass psychische Erkrankungen nicht selten kulturellen Entwicklungen zugeordnet werden können. Es war schon immer gute Münchwieser Tradition das Ohr am Puls der Zeit zu haben, diese Trends frühzeitig aufzuspüren und schon heute Therapiekonzepte für Störungen zu entwickeln, die erst morgen in aller Munde sein werden.


Weitere Informationen

Chefärztin

Dr. med. Monika Vogelgesang

Dr. med. Monika Vogelgesang

Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Spezialisierung:

Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen inklusive Traumafolgen, Depressionen, geschlechtsspezifische Vorgehensweisen insbesondere pathologisches Glücksspielen bei Frauen, Pathologischer PC-/ Internet-Gebrauch (Computersucht)

Kontakt:

Tel. +49 6858 691-0 (Festnetz)
Fax +49 6858 691-420
E-Mail muenchwies@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik Münchwies
Turmstraße 50-58
66540 Neunkirchen