Nicht nur „Normalsterbliche“ leiden an Ängsten, auch viele berühmte Persönlichkeiten leiden oder litten an Ängsten:
Sigmund Freud
Barbara Streisand
Sally Field
Woody Allen
Charles Darwin
In “Dichtung und Wahrheit” beschreibt Johann Wolfgang von Goethe seine persönlichen Ängste und seine Selbsttherapie:
Ein starker Schall war mir zuwider, krankhafte Gegenstände erregten mir Ekel und Abscheu. Besonders aber ängstigte mich ein Schwindel, der mich jedesmal befiel, wenn ich von einer Höhe herunterblickte. Allen diesen Mängeln suchte ich abzuhelfen, und zwar, weil ich keine Zeit verlieren wollte, auf eine etwas heftige Weise. Abends beim Zapfenstreich ging ich neben der Menge Trommeln her, deren gewaltsame Wirbel und Schläge das Herz im Busen hätten zersprengen mögen. Ich erstieg ganz allein den höchsten Gipfel des Münsterturms und saß in dem sogenannten Hals, wohl eine Viertelstunde lang, bis ich es wagte, wieder heraus in die freie Luft zu treten, wo man auf einer Platte, die kaum eine Elle im Gevierte haben wird, ohne sich sonderlich anhalten zu können, stehend das unendliche Land vor sich sieht, in dessen die nächsten Umgebungen und Zierraten, die Kirche und alles, worauf und worüber man steht, verbergen. Es ist völlig, als ob man sich auf einer Mongolfiere in die Luft erhöhen sähe. Der gleichen Angst und Qual wiederholte ich so oft, bis der Eindruck mir ganz gleichgültig war, und ich habe nachher bei Bergreisen und geologischen Studien, bei großen Bauten, wo ich mit den Zimmerleuten um die Wette über die frei liegenden Balken und die Gesimse der Gebäude herlief, ja in Rom, wo man eben dergleichen Wagstücke ausüben muss, um bedeutende Kunstwerke näher zu sehen, von jenen Vorübungen großen Vorteil gezogen. Die Anatomie war mir auch deshalb doppelt wert, weil sie mich den widerwärtigen Anblick ertragen lehrte, in dem sie meine Wißbegierde befriedigte. Und so besuchte ich das Klinikum des alten Doktor Ehrmann sowie die Lektionen der Entbindungskunst seines Sohnes, in der doppelten Absicht, alle Zustände kennenzulernen und mich von allen Apprehensionen gegen widerwärtige Dinge zu befreien. Ich habe es darin auch wirklich soweit gebracht, daß nicht dergleichen mich jeweils wieder außer Fassung setzen konnte.
(zitiert aus der digitalen Bibliothek „Meisterwerke deutscher Dichter und Denker“, ausgewählt von Mathias Bertram, Digitale Bibliothek Sonderband Directmedia, Berlin 2000)