Drei wesentliche Symptome definieren die Arbeit der Physiotherapie:
- zentrale Muskelschwäche, Spastizität, und Koordinationsstörungen. Sie bestimmen den Grad einer motorischen Behinderung. Mitberücksichtigt werden ophthalmologische Probleme (Sehstörungen), vorübergehende oder attackenartig auftretende Veränderungen und psychische Veränderungen. Verschiedene Therapiekonzepte kommen zur Anwendung (Bobath, Vojta, PNF und andere). Berücksichtigt werden die individuell bestehenden Hauptprobleme und Erwartungen, die mögliche oder angestrebte Mobilität (Treppen, Gehstrecke, Hilfsmittel), die Überlagerung aufgrund von Schmerzen sowie die allgemeine körperliche Belastbarkeit.
Zentrale Schwäche: Die Behandlung beruht auf einem Funktionstraining
zum Erhalt vorhandener Kraft durch Training und Spastikkontrolle, zur Verhinderung ungünstiger Kompensationsmechanismen und Training eines angepassten Normbewegungsverhaltens, zum Erhalt und Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit, zur Lockerung und Entlastung der Muskultur und der Gelenke. Wichtig ist weiterhin ein selektives Krafttraining – insbesondere der Rumpfmuskulatur. Mit dem Ziel der größtmöglichen Selbständigkeit werden adäquate Kompensationsmechanismen erlernt.
Weiterhin erfolgt hier die Hilfsmittelabklärung: die Auswahl und Anpassung von Gehhilfsmitteln (Schuhe, Fußschienen, Stock, Gehwagen, Rollstuhl) sowie die Instruktion von Drittpersonen
(Lagerungsmöglichkeiten, Transferhilfen, passives Bewegen).
Spastik
Von der Spastik betroffene Patienten sollen Lernen mit der Spastik umzugehen: Anzeichen wahrnehmen, überlastete Muskulatur entspannen und ein angepasstes, dosiertes Selbsttraining zur Lockerung, Beweglichkeitserhaltung und Erhalt der gezielten Beweglichkeit und Koordination).
Spastikauslösende Faktoren (urogenitale Infekte, Schmerzen...) sollen korrigiert werden und spastikvermeidender Techniken (Transfer, Lagerung, Haltung) erlernt werden. Mitunter kann aber die Stützfunktion der Spastik der Verbesserung der motorischen Funktion dienen. Die Behandlung der Spastik bedeutet häufig auch eine Schmerzreduktion, eine Erleichterung pflegerischer Maßnahmen und die Vermeidung von Komplikationen. Unterstützend können Laufband-Therapie, Aerobes Fitnesstraining (größere Kraftreserven, bessere Koordination, Fitness), passives rhythmisches Bewegen der Beine (Motomed) wirken.
Passive Maßnahmen beinhalten spezielle Lagerungen zur Dehnung, langsam zunehmende tonische Muskeldehnungen, mehrfaches tägliches Durchbewegen aller wichtigen Gelenke, die Benutzung von dynamischen oder statischen Schienen sowie Eis- und Kälteanwendungen.
Koordinationsstörungen (Ataxie)
Etwa 80% der MS-Patienten leiden im Verlauf an ataktischen Symptomen den Rumpf, Stand- oder/und Gang oder die Gliedmaßen betreffend. Häufig besteht dann zusätzlich ein Tremor (Muskelzittern) bei Zielbewegungen oder Haltebewegungen. Gestört ist das harmonisches Zusammenspiel gegensätzlich wirkender Muskelgruppen (bspw. Beuger und Strecker), welches oft zu Störungen der Feinmotorik führt sowie eine Störung der Gleichgewichtsreaktion.
In der Therapie sind hier Gleichgewichtsschulung: Bewusstmachen von Kontaktveränderungen, bewusster Einsatz köpereigener Gegengewichte, Ausbalancieren köpereigener Gewichte, Kompensationstraining
(Lockerung überlasteter Muskulatur Verbesserung der Beweglichkeit im Hüftgelenk, Verbesserung von Rumpfaktivitäten) und Handfunktionstraining wichtige Bausteine.