Sie sind negativen Bewertungen durch die Umwelt ausgesetzt, leiden unter den körperlichen Folgen des Dickseins und unter ihrer Essstörung selbst. Bei dieser relativ häufigen Störung (bis 4,3% der Gesamtbevölkerung und etwa 30% der Patienten mit Adipositas) kommt es zu regelmäßigen Essattacken, bei denen die Betroffenen kaum noch eine Kontrolle über die Menge und die Art der Nahrungsaufnahme haben. Sie haben das Gefühl, mit dem Essen nicht mehr aufhören zu können.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt sehr schnell bis zu einem sehr unangenehmen Völlegefühl oder nicht selten darüber hinaus, ohne dass im eigentlichen Sinne Hunger besteht. Nach einem solchen Essanfall fühlen sich die Betroffenen oft sehr schlecht, haben Schuldgefühle und sind deprimiert. Im Unterschied zur Ess-Brech-Sucht (Bulimie) werden bei den Patienten mit einer Binge-Eating-Störung keine Bemühungen beobachtet, das Körpergewicht durch gezieltes Erbrechen, durch Fasten oder durch intensive sportliche Aktivitäten zu beeinflussen.
Im Rahmen der psychosomatischen Rehabilitation wird in den Kliniken der AHG eine langfristige Verhaltensänderung angestrebt, die durch gesunde Ernährung, Zunahme von sportlicher Aktivität, Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeit und Mitbehandlung von zusätzlichen Erkrankungen (z.B. Depressionen) auch langfristig zu einer Normalisierung des Essverhaltens und des Körpergewichts führt.
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
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