Nimmt der Tinnitus einen zu großen Raum bei der Aufmerksamkeit ein, etwa bei einem starken subjektiven Hilflosigkeitsgefühl, wird er mitunter chronisch. Der permanente Verlust der Stille kann als quälend empfunden werden, es kommt zu Konzentrations- und Schlafstörungen, Erschöpfung und Depressivität, Arbeitsunfähigkeit. Betroffene ziehen sich – besonders wenn eine begleitende Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit) vorliegt – von Freunden zurück („Dem müden Ohr ist jedes Wort zu viel“) und meiden gesellige Anlässe. Das Ventilatorgeräusch eines Computers kann genauso unerträglich werden wie das Brummen des Kühlschrankes oder gar das eigene Lachen.
Bei der Therapie wird die medizinische Situation optimiert (z.B. Hörgeräteanpassung), es werden hilfreiche Informationen zum Abbau des „Feindbildes Tinnitus“ gegeben, Techniken zum Abbau des Belästigungsgrades durch Tinnitus und/oder Umweltgeräusche werden erlernt (Habituation). Dabei werden auch Hintergrundprobleme (Konflikte am Arbeitsplatz oder in der Familie, Depressivität, Perspektivenlosigkeit) bearbeitet.
Das muss nicht so bleiben: Die medizinische Rehabilitation mit verhaltensmedizinischem Schwerpunkt hat sich als effektivste Maßnahme zur Behandlung von chronischem Tinnitus und Hyperakusis erwiesen. Die Experten in den Kliniken der AHG verfügen über fundierte Erfahrungen und erzielen nachweisbar hohe Behandlungserfolge. So wird es möglich, wieder gelassen und souverän mit Geräuschen umzugehen. Der Tinnitus verliert an Penetranz und Störcharakter, die Betroffenen gewinnen wieder einen Freiraum, Dinge zu tun, die durch den Tinnitus über lange Zeit nicht mehr möglich waren.
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
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