Indikationen ICD 10 Hinter der Abkürzung ICD 10 verbirgt sich die Internationale Klassifikation von Krankheiten und Gesundheitsstörungen ("International Classification of Diseases"), 10. Auflage. Die ICD 10 wird von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) herausgegeben. In der ICD 10 sind alle "offiziell anerkannten" Krankheiten erfasst, z.T. (etwa bei seelischen Erkrankungen) konkret beschrieben. Dieses Klassifizierungsystem erlaubt eine statistische Erfassung aller Krankheiten z.B. für Gesundheitsberichte, auch die Abrechnung medizinischer Leistungen erfolgt in Deutschland mit Hilfe der ICD 10 . In der wissenschaftlichen Literatur über psychische Erkrankungen findet man manchmal auch den Begriff DSM IV, hierbei handelt es sich um das amerikanische „Gegenstück“ zur Erfassung und Beschreibung psychischer Erkrankungen ("Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders"), hier ist die 4. Auflage aktuell.
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Motorische Entwicklungsstörungen F 82
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Kombinierte Entwicklungsstörungen F 83
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Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) Q 860
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Zerebralparesen G 80
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Diffuse Hirnschädigungen (perinatale und posttraumatische Ätiologie) F 07
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Epilepsien mit zusätzlichen Störungen des Verhaltens/der Entwicklung G 40
Einleitung
Entwicklungsverzögerungen und -störungen kommen nach Schätzungen großer Fallzahlen bei 3-10 % aller Kinder vor. Bei einem Teil der Kinder sind körperliche Erkrankungen mit Schädigungen des Gehirns Ursache einer Entwicklungsstörung. Andere Kinder leiden unter seelischen Störungen, welche Lernen und Entwicklung beeinträchtigen, andere Kinder leiden unter einem Mangel an Förderung. Bei etwa 85 % der Kinder mit Entwicklungsstörungen ist die Ursache nicht zu erheben.
Im Säuglings- und Kleinkindalter werden zunächst die motorischen Rückstände, später Rückstände in der Sprache und in der emotionalen Entwicklung festgestellt. Mit dem Vorschulalter werden Beeinträchtigungen in der kognitiven Entwicklung deutlicher. Oft ergibt sich dann erst im Vorschulalter das umfassende Bild eines in allen Entwicklungsbereichen beeinträchtigten Kindes. Dann ist ein interdisziplinäres Förderkonzept sowie das Finden der adäquaten Beschulung essentiell.
Behandlungskonzept
Ein Aufenthalt in unserer Rehabilitationsklinik kann zur Verbesserung der bestehenden Entwicklungsstörungen beitragen, da eine intensive, multimodale Entwicklungstherapie angeboten wird, die über die Therapiemöglichkeiten am Wohnhort an Intensität hinaus geht. Außerdem besteht die Möglichkeit durch systematische Verhaltensbeobachtung des Kindes im Klinikalltag mit seinen unterschiedlichen Anforderungsstrukturen von der Therapie bis zum Freizeitangebot die Schwerpunkte des Förderbedarfs individuell festzustellen. Außerhalb der Familie entfallen die spezifischen intrafamiliären Konflikte, die die Beziehung zwischen dem kranken und verhaltensauffälligen Kind und seinen Eltern belasten und so mögliche Entwicklungsfortschritte des Kindes behindern. Bei einer Aufnahme des Kindes gemeinsam mit seiner Mutter können krankheitsbedingte Beziehungsstörungen durch Beratungsgespräche mit der Mutter geklärt und mit therapeutischen Maßnahmen ergänzt werden. Weiterhin können ggf. direkte Anregungen und in Grenzen ein Bezugspersonentraining zur Entwicklungsförderung angeboten werden.
Unsere Behandlungsangebote
1. Psychotherapie (Einzel)
- Unterstützung bei der Entwicklung von Krankheitsakzeptanz in enger Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen
- Bearbeitung von Complianceproblemen
- Abbau sekundärer Verhaltensstörungen
- Unterstützung bei der Bewältigung von krankheits- und behandlungsbedingten Belastungen
- Förderung der sozialen und kognitiven Kompetenzen
- Förderung einer adäquaten familiären Interaktion
2. Physiotherapie
- Verbesserung von abnormen Bewegungsabläufen durch Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage.
- Verbesserung von Tonusregulation, der motorischen Entwicklung wie das Erlangen von Bewegungsfreude.
3. Medizinisch-psychologische Diagnostik
- Umfassende neurologische Diagnostik, ggf. EEG-Untersuchung
- Motorische und kognitive Entwicklungsdiagnostik,
- Erfassen der kognitiven Entwicklung (Kaufman-Test, HAWIK III),
- Entwicklungsdiagnostik im Kleinkind- und Vorschulalter (Denver-Entwicklungsskalen, Münchener-Funktionelle-Entwicklungs-Diagnostik)
- Erfassen von Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörungen (DTVP)
4. Pädagogische Betreuung – Heilpädagogik
- Erlernen und Ausführen von strukturiertem Spielen,
- Regeln erlernen,
- soziales Verhalten einüben,
- Erlernen von aktiver Freizeitgestaltung
5. Neuropädagogik
- Einzelförderung der Wahrnehmung bei spezifischen Defiziten in der visuellen und auditiven Wahrnehmung, der kognitiven Leistungen, der Feinmotorik, der Konzentration und Aufmerksamkeit.
6. Psychomotorik und Ergotherapie
- Förderung der Bewegungsentwicklung,
- der Sprachentwicklung,
- der Wahrnehmungsentwicklung, besonders im sensomotorischen Bereich,
- der kognitiven Entwicklung,
- der auditiven und taktilen, feinmotorischen sowie graphomotorischen Entwicklung.
Therapieziele
- Verbesserung der motorischen Fähigkeiten,
- Verbesserung der Informationsverarbeitung und der Sinnesempfindungen
- Verbesserung des Verständnisses für Zusammenhänge zwischen Sachverhalten (konkret-operationales Denken)
- Verständnis für komplexe Zusammenhänge erwecken (formal-operationale Entwicklung)
- Förderung der Selbständigkeit, Förderung sozialer Kompetenzen,
- Verbesserung der Ausdauer und der Konzentration
- Problemverständnis und Akzeptanz bei Behinderungen
- Erarbeiten von Ressourcen, auf deren Grundlage eine weitere Förderung auch außerhalb des Defizitbereiches erfolgen kann
- Verbesserung der familiären Interaktion, ggf. Beratung in Bezug auf ambulante Hilfsangebote und weiterführende Therapieeinrichtungen
- Entwicklungsverzögerung, die mit teilweise hyperaktiven oder starken Verhaltensauffälligkeiten einhergehen, ggf. medikamentöse Einstellung.
- Entwicklungsstörungen und neurologische Erkrankungen. Die spezifische Problematik erläutert Hilfsangebote, ggf. wird weitere Psychotherapie und eine spezifische Aufklärung in Bezug auf die frühen, oft auch traumatischen Erfahrungen vermittelt sowie eine aktive Zusammenarbeit mit den Jugendämtern gefördert.