Psychosomatische Fachklinik Bad Pyrmont  
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Therapieziel: Veränderung des chronischen Krankheitsverhaltens

Krankheiten und Krankheitszustände, die sich nicht auf dem ”Röntgenbild” darstellen und objektiveren lassen, haben es in der Medizin sehr schwer, sich durchzusetzen und als Krankheit anerkannt zu werden.

 

Diese durch das diagnostische System vorgegebene Erfahrung machen viele unserer Patienten im Verlauf ihrer oft jahrelangen ”Krankheitskarriere”. Häufig genug haben sie gehört, daß sie ”nichts hätten”, oder dass sie ”völlig gesund seien”, wenngleich sie unablässig unter Beschwerden leiden, die subjektiv an schwerwiegende organische Erkrankungen denken lassen. Nach vorsichtigen Schätzungen entfallen zwischen 20 % und 60 % aller Arztbesuche auf Störungen, deren Ursache eher in streßbedingten Belastungen zu suchen sind. Da das Labor, das EKG, das Sonogramm, die Darmspiegelung, das Computerprogramm diese Bedingungen nicht abbilden kann, sind die Krankheiten auch nicht vorhanden oder haben aus versicherungsrechtlicher Sicht auch keinen Krankheitswert. Gerade bei psychosomatischen und neurotischen Erkrankungen ergibt sich häufig die psychosomatische  Verlegenheitsdiagnose, wenn nichts an Erklärungsmöglichkeiten mehr übrigbleibt.

Das Ergebnis dieses Lern- und Erfahrungsprozesses wird von Fachleuten als chronisches Krankheitsverhalten bezeichnet

Von chronischem Krankheitsverhalten spricht man, wenn das subjektive Krankheitsgefühl des Patienten und das daraus resultierende Verhalten in keiner angemessenen Relation zu den medizinischen Befunden steht. Das bedeutet, dass Patienten sich kranker verhalten, als es nach Würdigung der aktuellen medizinischen Befunde gerechtfertigt wäre. Dabei haben sich oftmals die Folgerungen, die der Patient in seinem Denken, Fühlen und Handeln im Zusammenhang mit seinen Beschwerden für sich gezogen hat, als eigene spezifische Verhaltensauffälligkeit gewissermaßen verselbständigt.

Insbesondere die Fortdauer der Beschwerden trotz vielfältiger Untersuchungen und Behandlungen und die Verstärkung der Beschwerden (Aggravation) sowie die nicht selten angezweifelte Glaubwürdigkeit seitens der Untersucher („Sie haben nichts, Sie sind gesund“) verstärkt ein Krankheitsverhalten bei den Patienten, das als Chronisches Krankheitsverhalten bezeichnet wird.

Man spricht von „Chronischem Krankheitsverhalten“, wenn das Krankheitsverhalten von Betroffenen ausgeprägter ist, als nach Würdigung der medizinischen Befunde erwartbar wäre.

Patienten mit einem chronischen Krankheitsverhalten zeigen eine Reihe typischer Verhaltensmuster:

  • Hohe Inanspruchnahme medizinisch-diagnostischer Untersuchungen
  • Befürchtungen, an einer schweren und kaum behandelbaren Erkrankung zu leiden,
  • Körperliches und soziales Schonverhalten
  • Abnahme der körperlichen Belastbarkeit und auch der zwischenmenschlichen Belastbarkeit,
  • Fortschreitender Verlust an Selbsthilfemöglichkeiten,
  • Erhöhter Verfügbarkeitsdruck nach medizinischen Interventionen,
  • Erhöhte Gefährdung zu einem Medikamentenmissbrauch und einer Medikamentenabhängigkeit,
  • Zunehmende Abhängigkeit vom System der medizinischen Versorgung.

Bei Fortdauer der Beschwerden und wiederholten Untersuchungen ohne klinisch bedeutende Befunde weiß der Patient immer weniger, was in seinem Körper vor sich geht, zumal ihm kaum detailliert ärztlicherseits erläutert wird, wie diese Beschwerden zustande kommen. Das Resultat ist einerseits eine zunehmende Passivität und Hilflosigkeit und ein fortschreitender Verlust an Selbsthilfemöglichkeiten und anderer­seits eine zunehmende Inanspruchnahme medizinisch-diagnostischer Maßnahmen incl. medikamentöser Behandlungen sowie vermehrte oder längere Krankschreibungen und stationäre Krankenhausbehandlungen.

 

Die unter dem Begriff des ”Chronischen Krankheitsverhaltens” aufgezählten Problembereiche ermöglichen eine thematische Gliederung von Therapiebausteinen in der Behandlung der einzelnen psychosomatischen Erkrankungen. Die Identifizierung solcher problematischer Verhaltensweisen erleichtert die Entwicklung von gezielten Verhaltensalter­nativen. Gleichzeitig sind die therapeutischen Methoden und Strategien innerhalb eines Behandlungskonzepts so auszuwählen und zu organisieren, daß sie eine Veränderung einzelner Verhaltensaspekte dieses chronischen Krankheitsverhaltens ermöglichen. Daraus lassen sich die Behandlungsziele für die Therapie ableiten. So ist es z.B. vorrangiges Behandlungsziel einer angemessenen Behandlung, das chronische Krankheitsverhalten abzubauen und einen gesundheitsfördernden Umgang mit den subjektiv erlebten Beschwerden und ggf. auch objektiv feststellbaren Krankheitsmerkmalen zu erlernen.

Behandlungsbausteine und Zielsetzungen zur Veränderung des chronischen Krankheitsverhaltens im stationären Behandlungssetting

  • Der Patient wird zum Experten im Umgang mit seiner Erkrankung
  • Aktivitäten und Selbsthilfemöglichkeiten werden gefördert und unterstützt
  • Der Patient wird mit den Grundlagen und seiner Erkrankung vertrau gemacht

Behandlungsbausteine und Zielsetzungen

  • Information, Aufklärung, Beratung
  • Wiedererwerben von Vertrauen in die Funktionstüchtigkeit des eigenen Körpers
  • Wiedererwerben von Vertrauen in die psychische und soziale Funktionstüchtigkeit
  • Abbau von Schon- und Vermeidungsverhalten im körperlichen Bereich und im sozialen Bereich
  • Umgang mit Gefühlen und kritischen sozialen Situationen
  • Aufgaben der Krankenrolle
  • Kritischer Umgang mit der Inanspruchnahme von medizinischen Hilfen, Medikamenten und Suchtmitteln
  • Rückfallprophylaxe
Zahlreiche Untersuchungen und fundierte klinische Erfahrungen zeigen, dass es möglich ist, die in der stationären Behandlung erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu einem gesundheitsfördernden und die Gesundheit aufrechterhaltenden auch langfristig zu stabilisieren.

Weitere Informationen

Ärztlicher Direktor Chefarzt

Chefarzt Prof. Dr. med. Diplom Psychologe Rolf Meermann

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Meermann

Facharzt für Nervenheilkunde, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Sozialmedizin, Rehabilitationswesen

Spezialisierung:

Essstörungen, Posttraumatische Belastungsstörung, Depression und Angst 
www.prof-r-meermann.de

Kontakt:

Tel. +49 5281 619-0
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Adresse:
AHG Psychosomatische Klinik Bad Pyrmont
Bombergallee 10
31812 Bad Pyrmont