Nach der Wahrnehmung einer Gefahr und der Beurteilung einer Situation als gefährlich werden im Gehirn Angstgefühle ausgelöst. Dort werden Hormone ausgeschüttet, die die Nebennierenrinde zu einem sofortigen Ausstoß des Stresshormons Adrenalin anregen. Dies Hormon beeinflusst viele Körperfunktionen im Sinne einer Blut- und Energiebereitstellung. So wird Blut aus den Organen abgezogen, die nicht unmittelbar für Flucht oder Kampf notwendig sind und vor allem in die großen Muskeln des Körpers gelenkt. Bei dieser Hormonreaktion können die folgenden Erscheinungen auftreten und Sie beunruhigen:
Herzklopfen/-rasen
(„Mir schlägt das Herz bis zum Halse“): Unter erhöhter Leistungsbereitschaft muss mehr Blut durch den Körper gepumpt werden (Sauerstoff- und Energiezufuhr). Das Herz schlägt entsprechend der Belastung schneller und kräftiger. Dabei kann es auch einmal zu Extraschlägen kommen, denen eine Pause folgt, damit der normale Rhythmus nicht weiter durcheinandergerät.
Atemveränderungen
(„Atemlos vor Schreck“): Aufgrund des erhöhten Sauerstoffbedarfs wird schneller und intensiver geatmet. Fehlt jedoch die körperliche Bewegung, wird nicht so intensiv ausgeatmet und es kommt zu einer vermehrten Luftansammlung in der Lunge, die mit dem Gefühl von Druck und Beklemmung im Brustkorb einhergehen kann. Dabei können sich auch die Muskeln zwischen den Rippen verspannen und unangenehme Schmerzen bereiten. Trotz der schnelleren Atmung spüren Menschen dabei häufig eine Luftnot, die zu noch stärkerer Atmung anregt und die Situation verschlimmert. Es kommt dann zur Mehratmung (Überatmung, auch Hyperventilation genannt) die sogar durch Veränderungen der Sauerstoffverhältnisse im Blut zu Kribbeln an Händen und Füßen, zu Verkrampfungen der Muskeln und zu Taubheitsempfindungen vor allem im Gesichtsbereich führen kann.Therapeutisch kann es sehr hilfreich sein, diese Angstatmung durch bewusstes, tiefes, ruhiges Ausatmen zu durchbrechen. Dies kann an sich schon beruhigend wirken.
Schwindelgefühl/ Schwarzwerden vor den Augen/ Ohrgeräusche
4-5 Liter Blut müssen den ganzen Körper versorgen. Bei Gefahr erfolgt eine Umverteilung z.B. aus dem Gehirn und Bauchraum in Richtung Muskulatur. Selbstverständlich bleibt der Grundbedarf für die anderen Organe gedeckt. Die Drosselung der Blutzufuhr in Gehirn, Sehrinde und Innenohr kann sich jedoch bemerkbar machen (Schwindel, Schwarzwerden, Ohrgeräusche).
Mundtrockenheit/Übelkeit/Bauchschmerzen
(„Da bleibt mir die Spucke weg“): Auch Speichel wird weniger produziert, durch schnelles Atmen verdunstet er auch schneller. So entsteht Mundtrockenheit. Der Bauchraum wird weniger durchblutet und ist nicht auf Nahrungsaufnahme und Verdauung eingestellt. Dies führt bei manchen zu Übelkeit oder sogar zu Bauchschmerzen. Manchmal kommt es auch zu einer ungeordneten stürmischen Tätigkeit des Darmes, was sich als Stuhldrang oder Durchfall auswirken kann.
Schwitzen/Kälte-, Hitzegefühle
(„Angstschweiß“): Die rasche Blutumverteilung auch von der Haut in die Muskeln kann zu kalten Händen und Füßen führen, andererseits werden die Schweißdrüsen angeregt, da der Körper durch Verdunstung gekühlt und so vor dem Überhitzen bewahrt werden soll.
Weiche Knie/Zittern, Standunsicherheit
(„Ich verliere den Boden unter den Füßen“): Muskeln und Gelenke sind auf rasche, kräftige Bewegungen eingestellt. Die bereitgestellte Energie in den Muskeln kann, wenn die Bewegungen ausbleiben, auch durch Muskelzittern abgeführt werden. Diese Veränderungen in den Beinen können auch als Stand- oder Gangunsicherheit empfunden werden.