Psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim  
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Zahlen und Ergebnisqualität

Routineevaluation

Das psychologische Routinelabor (PRL)
Ein internes psychometrisches Diagnose- und Ergebnismonitoringssystem in der stationären psychosomatischen Versorgungspraxis

Sascha Gönner & Claus Bischoff, Psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim (2002)

In der AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim ist es gelungen, ein praktikables, ökonomisches Qualitätsmonitoring-System zur routinemäßigen testpsychologischen Eingangsdiagnostik, Therapieerfolgskontrolle und -ergebnisrückmeldung in die alltägliche Versorgungspraxis zu integrieren, welches neben störungsübergreifenden Verfahren auch den diagnoseabhängigen Einsatz störungsspezifischer Verfahren umfasst. Seit dem 01.06.2002 durchlaufen alle Patienten der Klinik das so genannte "Psychologischen Routinelabor" (PRL): Zu drei zentralen Messzeitpunkten (vor / bei Aufnahme, bei Entlassung und ein Jahr nach Entlassung) werden standardisierte Messverfahren zur Erfassung allgemein therapie- und veränderungsrelevanter ("Standarddiagnostik") und störungsspezifischer Variablen ("Störungsspezifische Diagnostik") eingesetzt, um die Diagnostik bei Therapiebeginn zu unterstützen und Veränderungen möglichst differenziert abbilden zu können.

Alle Patienten der Klinik erhalten routinemäßig eine identische Standarddiagnostik-Batterie, die den Patienten i.d.R. noch vor ihrer Aufnahme nach Hause zugeschickt wird. Im Rahmen der Standarddiagnostik werden allgemein relevante Merkmale psychischer und körperlicher Gesundheit erfasst. Demgegenüber werden die Instrumente der störungsspezifischen Diagnostik differentiell eingesetzt in Abhängigkeit von den individuellen Beschwerdebereichen / den vorläufigen Diagnosen bei Aufnahme. Der behandelnde Therapeut wählt pro Patient maximal zwei der folgenden Hauptbeschwerdebereiche unserer Klinik aus: Angst, Depression, Zwang, Somatisierung, PTSD, Essstörung, Schmerz, Schlafstörung und Persönlichkeitsstörung.

Das PRL stellt eine klinikinterne Dienstleitung wissenschaftlicher Mitarbeiter dar. Die Fragebogen werden bei Aufnahme in einer "Gruppentestung" und vor der Entlassung alleine von den Patienten bearbeitet und mittels Belegscanner eingelesen. Der Prozess von der statistischen Auswertung in SPSS bis zur Darstellung der Ergebnisse in standardisierten Rückmeldebögen (siehe Gönner & Bischoff, 2004) erfolgt halbautomatisiert.
Der Bezugstherapeut erhält über diese Rückmeldebögen zu Beginn einer Behandlung diagnostische Informationen und kurz vor Entlassung ein Feedback über den Therapieerfolg. Zur Beurteilung des Therapieerfolgs wird das Kriterium der statistischen Signifikanz herangezogen.


Zielsetzungen

Das PRL dient einer Optimierung von Verhaltensanalyse und Therapieplanung beim einzelnen Patienten durch eine frühzeitige Erfassung und Bereitstellung anamnestisch und diagnostisch relevanter Informationen sowie einer "objektivierten" und standardisierten Rückmeldung des Therapieerfolgs an Patienten und Therapeuten. Es ermöglicht darüber hinaus eine wissenschaftliche Überprüfung der kurz- und längerfristigen Wirksamkeit der stationären Regelversorgung insgesamt, bei spezifischen Störungen, von therapeutischen Konzepten und Behandlungsbausteinen (siehe Liste 1). Durch die Infrastruktur des PRL lassen sich spezifische Evaluations- und Forschungsfragestellungen ohne wesentlichen Mehraufwand hinsichtlich der Datengewinnung durchführen.

Liste 1: Zielsetzungen

  • Zu Beginn des stationären Aufenthaltes: Verbesserung, Ausdifferenzierung und Spezifizierung von Verhaltensanalyse und Therapieplanung beim einzelnen Patienten durch eine frühzeitige Erfassung anamnestisch und diagnostisch relevanter Informationen.
  • Am Ende des stationären Aufenthaltes: "Objektivierte" Rückmeldung des Therapieerfolgs an den einzelnen Patienten und seinen Therapeuten.
  • Wissenschaftliche Überprüfung der kurz- und längerfristigen Wirksamkeit stationärer Rehabilitation im Hinblick auf die Regelversorgung insgesamt und bezogen auf spezifische Störungen, therapeutische Konzepte und Maßnahmen.
  • Identifikation und Controlling von Behandlungsbereichen, in denen ein Bedarf an Konzept- oder Personalentwicklung besteht.



Dokumentations- und Berichtswesen

Die Ergebnisse der Veränderungsmessung werden mit den Patienten in der Einzeltherapie besprochen und von den Therapeuten im Rahmen des Berichtswesens genutzt. Zur Vereinfachung der Dokumentation der Behandlungsergebnisse in den Entlassungsberichten wurden für alle verwendeten Verfahren standardisierte Textbausteine entwickelt, die in der so genannte "Arbeitshilfe für das Erstellen eines Entlassungsberichtes" (einer standardisierten Dokumentenvorlage) enthalten sind.


Fazit


Das PRL hat sich bisher als differenziertes, störungsspezifisches Ergebnis-Feedback-System für den nicht-universitären psychosomatischen Versorgungsalltag bewährt und seine klinische Umsetzbarkeit in einer einzelnen Klinik / im Verbund belegt. Dies nicht zuletzt aufgrund seiner logistischen Stärken, prozessualen Einfachheit und damit verbundenen relativ kostengünstigen Realisierbarkeit sowie - wie eine aktuelle Studie zeigt (Gönner & Bischoff, 2006) - der hohen Akzeptanz bei den behandelnden Therapeuten.

Literatur
Gönner, S. & Bischoff, C. (2006). Akzeptanz eines psychometrischen Routinediagnostik- und Qualitätsmonitoringsystems bei Psychotherapeuten in der stationären psychosomatischen Rehabilitation. Die Rehabilitation, 45, 282-288.

 

 


 


Weitere Informationen

Chefarzt

Chefarzt Dr. Limbacher

Dr. med. Klaus Limbacher

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Rehabilitationswesen

Spezialisierung:

Depressionen, sexuelle Störungen und Persönlichkeitsstörungen

Kontakt:

Tel. +49 6322 934-0 (Festnetz)
E-Mail duerkheim@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim
Kurbrunnenstraße 12
67098 Bad Dürkheim