Psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim  
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Evaluation der berufsbezogenen Gruppentherapie "Arbeitsleben"

Hintergrund. Dem Fehlzeiten-Report 2010 (Badura et al., 2010) zufolge sind seelische Störungen die vierthäufigste Ursache bei der Erkrankung Berufstätiger. Gründe für die Zunahme psychischer Probleme vermuten Gewerkschaften, Betriebsärzte und Psychologen in einer stark veränderten und beschleunigten Arbeitswelt und den damit verbundenen steigenden Belastungen durch Zeitdruck und erhöhte Anforderungen an technische und kommunikative Fähigkeiten. Diesem schon seit langem zu beobachtenden Trend begegnend, entwickelte die psychosomatische Rehabilitation arbeits- und berufsbezogeneTherapiegruppen. Ihr Ziel ist die Steigerung oder Wiedererlangung der beruflichen Leistungsfähigkeit und die Förderung eines baldigen Wiedereintritts in den Arbeitsprozess. 1999 entstand hierzu die Therapiegruppe „Arbeitsleben“ (ALG), die sich auf eine optimierte Stressbewältigung und eine verbesserte Beziehungsgestaltung zu Kollegen und Vorgesetzten ausrichtete. Weitere spezifische Ziele sind Erkennen betrieblicher Veränderungsprozesse und Entwicklung adäquater Arbeits- und Berufsperspektiven der Patienten. Ursprünglich als geschlossene interaktionelle Problemlösegruppe für 8-10 Patienten konzipiert (Vesenbeckh, 2005), wird die ALG heute als offene Gruppe geleitet.

 

Evaluationsprojekt. Zum gruppentherapeutischen Vorgehen in der ALG wurde ein Selbstreflexionsteil entwickelt, bei dem von den Patienten acht schriftliche Hausaufgaben mit den folgenden Themenschwerpunkten zu erledigen sind:

1. Arbeitsbelastung,

2. der graue Alltag,

3. Selbstschädigung und Selbstfürsorge,

4. Berufsgeschichte 1,

5. Berufsgeschichte 2,

6. Berufliche Zukunft,

7. Konflikteskalation,

8. Gesprächsführung.

Die Evaluationsstudie möchte einen Beitrag zur Qualitätssicherung arbeitsbezogener therapeutischer Maßnahmen der AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim leisten. Im Fokus steht, wie hoch die subjektive Bedeutung der Intervention im Sinne einer Behandlungszufriedenheit hinsichtlich der beruflichen Probleme ist. Ebenso aufschlussreich für die zukünftige Verwendung des Selbstreflexionsteils könnte sein, inwieweit die Sitzungen als effektiv und welche Hausaufgaben als persönlich relevant eingeschätzt werden. Um in die Studie einbezogen zu werden, muss der Hauptbehandlungsschwerpunkt des Patienten im Arbeitsbereich liegen. Dieses Einschlusskriterium ergibt sich aus dem Patientenfragebogen und den ersten Therapiegesprächen. Kontraindikationen sind ein laufendes Rentenverfahren und Langzeitarbeitslosigkeit (Arbeitslosigkeit weniger als sechs Monate).

Zielkriterien für die Evaluation sind berufliche Belastungs- und Bewältigungseinschätzungen, Bewertung der Intervention und berufsbezogene Behandlungszufriedenheit. Zur Erhebung der Daten erhalten die Teilnehmer nach acht Sitzungen einen Abschlussfragebogen, der dem Fragebogen von Koch et al. (2006) entnommen und nach einem Probedurchlauf sprachlich angepasst wurde. Die Items dieses Fragebogens sind auf die Ziele der Behandlung abgestimmt, um die genannten Zielkriterien valide zu erfassen. Ergänzend werden von den Patienten der ALG Hausaufgabenfragebögen zu den Selbstreflexionsteilen ausgefüllt, die in Anlehnung an die Homework Rating Scale HSR (Kazantzis et al., 2004) unter anderem Relevanz und Nutzen jeder der Hausaufgaben für den Patienten erheben.

Die Evaluation wird als randomisierte Kontrollgruppenstudie mit einer Experimentalgruppe (ALG) und einer Vergleichsgruppe, der Problemlösegruppe aller sieben Teams (PLG), vorgenommen (N = 60). Die Evaluationsstudie wird seit Februar 2010 im Rahmen einer Diplomarbeit durch cand. psych. Mareen Möller durchgeführt. Projektleiter sind Prof. Dr. Claus Bischoff, Dr. med. Klaus Limbacher und Walter Vesenbeckh. Eine Überprüfung der Fragestellungen ist nach Abschluss der Patientenrekrutierung Ende 2010 möglich.

 

Literatur.

Badura, B., Schröder, H., Klose, J. & Macco, K. (2010). Vielfalt managen: Gesundheit fördern – Potenziale nutzen. Fehlzeiten-Report 2010. Berlin: Springer.

Kazantzis, N., Deane, F.P. & Ronan, K.R. (2004). Assessing compliance with homework assignments: Review and recommendations for clinical practice. Journal of Clinical Psychology, 60(6), 627-641.

Koch, S., Hedlund, S., Rosenthal, S. & Hillert, A. (2006). Stressbewältigung am Arbeitsplatz: Ein stationäres Gruppentherapieprogramm. Verhaltenstherapie, 16, 7-15.

Vesenbeckh, W. (2005). “Arbeitsleben“ - Eine arbeits- und berufsbezogene multimodale Problemlösegruppe. Praxis Klinische Verhaltenstherapie und Rehabilitation, 69, 116-119.

 

 



Weitere Informationen

Chefarzt

Chefarzt Dr. Limbacher

Dr. med. Klaus Limbacher

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Rehabilitationswesen

Spezialisierung:

Depressionen, sexuelle Störungen und Persönlichkeitsstörungen

Kontakt:

Tel. +49 6322 934-0 (Festnetz)
E-Mail duerkheim@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim
Kurbrunnenstraße 12
67098 Bad Dürkheim