Psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim  
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Gruppen für spezifische Störungsbilder

Die klassische verhaltenstherapeutische Angstbewältigungsgruppe wird seit Mitte der 80er Jahre in der Klinik Bad Dürkheim durchgeführt und konzeptionell weiterentwickelt. Hier erhalten die Patienten zunächst eine Einführung in die psychophysiologischen Abläufe bei Angstreaktionen. Sie lernen Auslöser und aufrechterhaltende Bedingungen von Angststörungen kennen. Diese theoretischen Erkenntnisse werden dann an individuellen Angstreaktionen überprüft. Methoden der adäquaten Angstbewältigung werden durch das Aufsuchen kritischer Situationen in-vivo eingeübt. Daneben wird der Bearbeitung des sekundären Krankheitsgewinns große Bedeutung beigemessen. Es wird sowohl eine primär psychoedukative Großgruppe (offen, bis zu 50 Teilnehmer, 1 x 90 min für 4 Wochen) angeboten, zu der parallel die praktischen Übungen in co-therapeutisch geleiteten Kleingruppen stattfinden, als auch eine geschlossene Expositionsgruppe für bis zu acht Agoraphobiker, die nach entsprechender Vorbereitung gemeinsam in-vivo-Verhaltensübungen zur Bewältigung angstauslösender Situationen im Umfeld der Klinik aufsuchen.

Die Essstörungsgruppe 1 wird für Patientinnen mit restriktivem und bulimischen Essverhalten angeboten. Ihr zentrales Ziel ist eine stabile Regulierung des Essverhaltens, welches langfristig ein normaleres, d.h. gesünderes Gewicht ermöglicht. Auf der Basis von Informationen über medizinische, individualpsychologische, systemische und ernährungswissenschaftliche Zusammenhänge lernen die Teilnehmerinnen, die motivationalen, kognitiven und verhaltensabhängigen Bedingungen des problematischen Essverhaltens und der Entwicklung des körperlichen und psychischen Mangelzustandes zu erkennen und zu modifizieren. Die Gruppe hat ein problemlöse- und handlungsorientiertes Konzept und ist halboffen. Eingebunden in das Konzept ist eine Ernährungsberaterin, die einmal pro Woche für die Gruppenteilnehmerinnen gemeinsames Kochen und Essen in der Therapieküche anbietet sowie die Körpererfahrungsgruppe als Angebot der Sporttherapie.

Die Essstörungsgruppe 2 stellt das ähnlich strukturierte Pendant für essgestörte Patientinnen mit Übergewicht dar. Grundprämisse ist das Anti-Diät-Konzept, mit dem ebenfalls eine Normalisierung des Essverhaltens und eine verbesserte Selbstakzeptanz angestrebt werden. Auch für diese Gruppe gibt es spezifische Angebote der Ernährungsberaterin und der Sporttherapie (Körperwahrnehmung, regelmäßige Teilnahme am Adipositassport und Ergometertraining). Wichtige Lernziele sind auch die Wechselwirkungen zwischen Essen und Belastungssituationen sowie Informationen über adipositasassoziierte Folgeerkrankungen.

Die Schmerzbewältigungsgruppe findet als offenes Gruppenangebot mit je vier von Bezugstherapeuten und vier von Co-Therapeuten geleiteten Terminen statt. Sie hat psychoedukative, handlungsorientierte und sozialmedizinische Anteile, vermittelt Patienten mit chronischen Schmerzsyndromen (namentlich anhaltenden oder rezidivierenden Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, multiplen somatoformen Schmerzen bei sog. "Fibromyalgie") Informationen über bio-psycho-soziale Grundlagen der Schmerzentstehung und zeigt erste Bewältigungsmöglichkeiten auf (Entspannung, kognitive Techniken, adäquates Belastungsverhalten, angemessener Einsatz von Medikamenten) bzw. übt diese ein.

Depressionsgruppe. Auch in Bad Dürkheim konnten wir uns der Notwendigkeit nicht verschließen, das Gruppenkonzept für Depressionen zu überprüfen und ein Format zu entwickeln, das ohne Wartezeiten und mit einer realistischen Dauer eine möglichst große Zahl von Patienten erreicht. Schließlich stellen die depressiven Störungen aus den Bereichen F32 bis F34 des ICD-10 mit 32 % den größten Teil aller Erstdiagnosen in unserer Klientel dar, hinzu kommen ca. 8 % mit depressiven Anpassungsstörungen aus dem Bereich F43. Unsere Überlegungen gingen in die Richtung, die zentralen psychoedukativen Inhalte in einem Großgruppenformat mit manualisiertem Konzept zu transportieren, ein Mindestanteil an erlebnisaktivierenden Genussbausteinen zu erhalten, die übrigen übenden und vertiefenden Anteile jedoch als Hausaufgaben in die Kleingruppenarbeit der Behandlungsteams bzw. in die Verantwortung der Einzeltherapie zu übergeben. Die im herkömmlichen Konzept thematisch zugeordneten sportlichen Aktivierungsbausteine müssen für die Teilnehmer der Großgruppe in den allgemeinen sporttherapeutischen Angeboten realisiert werden. Wir führen die Depressionsgruppe jetzt als offene Veranstaltung am späten Nachmittag durch (1 x 90 min über fünf Wochen), an der unselektiert alle depressiven Patienten teilnehmen können. Das Angebot hat eine sehr positive Resonanz gefunden, so dass sich regelmäßig 60 und mehr Patienten einfinden.

Die zentralen Lerninhalte der Depressionsgroßgruppe sind:

  • Depressionen erkennen und verstehen
  • Aufbau von positiven Aktivitäten
  • Veränderung von Gedanken
  • Training der Genussfähigkeit
  • Wahrnehmung und Ausdruck von Gefühlen, Verbesserung der sozialen Kompetenzen.

 

Die am Ende jeder Gruppenstunde ausgegebenen Informationsmaterialien und Hausaufgaben wurden auch auf Grund vieler Anregungen von Patienten, die regelmäßig zum Erfolg der Gruppe befragt werden, kontinuierlich ergänzt und verbessert.

Die Zwangsstörungsgruppe stellt ein halboffenes psychoedukatives und handlungsorientiertes Gruppenkonzept für die Therapie von Zwangshandlungen und Zwangsgedanken dar. Acht bis zehn Patienten nehmen im Verlauf von vier Wochen an acht von Bezugstherapeuten geleiteten Gruppensitzungen à 90 min sowie vier Terminen in Eigenregie teil. Hauptziele sind die Vermittlung von Störungswissen für den Umgang mit Zwangsgedanken und -handlungen sowie die Anleitung zu selbstkontrollierter Reizexposition und Reaktionsverhinderung als Ergänzung zu den vom Einzeltherapeuten geleiteten Expositionsübungen.

Die Gruppe für Patienten mit dysfunktionalen Persönlichkeitsstilen und Persönlichkeitsstörungen wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts als manualisiertes Konzept mit psychoedukativen und kompetenzorientierten Anteilen (halboffen, acht bis zwölf Patienten, 2 x 90 min/Woche) entwickelt. Wegen der großen Nachfrage bei knappen Zeitkontingenten wird derzeit die Informationsvermittlung als Vortragsreihe im offenen Großgruppenformat (bis zu 80 Patienten) durchgeführt, während die Verhaltensübungen und Rollenspiele unter co-therapeutischer Anleitung im sozialen Kompetenztraining stattfinden. Das Gruppentherapieprogramm ist speziell auf Persönlichkeitsstörungen aus dem ängstlichen und emotional instabilen Cluster nach DSM-IV ausgerichtet, d.h. auf Patienten mit selbstunsicherer, dependenter, zwanghafter, histrionischer, narzisstischer und Borderline-Persönlichkeitsstörung (bzw. dem entsprechenden dysfunktionalen Persönlichkeitsstil). Ziel ist die Anregung der Patienten zu einer Auseinandersetzung mit den Stärken und Schwächen ihres eigenen Persönlichkeits- und Kommunikationsstils, seiner lerngeschichtlichen Herleitung und seinen aktuellen Auswirkungen.

Die Indikative Gruppe für sexuell traumatisierte Frauen wird von einer als Traumatherapeutin ausgebildeten Psychologin und einer erfahrenen Sporttherapeutin geleitet und umfasst neben psychoedukativen und interaktionellen Elementen kontinuierlich auch störungsspezifische Körperwahrnehmungsübungen. Wegen der für diese Klientel besonders wichtigen Gruppenkohäsion findet sie als geschlossenes Format mit max. acht Teilnehmerinnen statt (2 x 100 min für fünf Wochen). Ziele sind der Aufbau von Vertrauen und Solidarität, die Bearbeitung von dysfunktionalen Verhaltensweisen wie Selbstverletzungen, die Förderung von Sicherheit, Körperakzeptanz und Selbstbelohnungsstrategien, Nähe-Distanz-Übungen, kognitive Umstrukturierung, Umgang mit Schuld- und Schamgefühlen sowie - nach entsprechender Vorbereitung - die Traumaexposition.

Die Gruppe für Männer mit problematischem Sexualverhalten rekrutiert sich aus Patienten mit sexuellen Verhaltensstörungen bzw. sexueller Delinquenz. Methodisch werden psychoedukative, interaktionelle und konfrontative Strategien kombiniert. Es handelt sich um eine geschlossene Gruppe mit max. sechs Teilnehmern. Zentrale Anliegen sind die lerngeschichtliche Herleitung der devianten Verhaltensweisen, der Aufbau von Selbstverantwortung und Opferempathie, die Konfrontation mit Bagatellisierungs- und Verleugnungstendenzen, Männer- und Frauenbilder in der Gesellschaft, Impulskontrolle und Umgang mit problematischen Stimuli, die Verringerung von Rückfallsgefährdung und die Entwicklung reifer, partnerbezogener Sexualität.



Weitere Informationen

Chefarzt

Chefarzt Dr. Limbacher

Dr. med. Klaus Limbacher

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Rehabilitationswesen

Spezialisierung:

Depressionen, sexuelle Störungen und Persönlichkeitsstörungen

Kontakt:

Tel. +49 6322 934-0 (Festnetz)
E-Mail duerkheim@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim
Kurbrunnenstraße 12
67098 Bad Dürkheim