Psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim  
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Gruppenkonzept für Patienten mit Zwangsstörungen

Gruppenkonzept für Patienten mit Zwangsstörungen

Patienten mit Zwangsstörungen stellen nach wie vor eine besondere Herausforderung für psychotherapeutische Behandler dar. Die Methode der Exposition mit Reaktionsmanagement ist eine effektive und wirkungsvolle, allerdings auch zeitaufwendige Behandlungstechnik. Aufgrund der kürzer werdenden Verweildauern besteht im stationären Setting zunehmend mehr die Notwendigkeit zu einem ökonomischen Vorgehen. Gleichzeitig haben viele Zwangspatienten das Bedürfnis nach einem Austausch mit anderen Betroffenen. Angesichts der hohen Verheimlichungstendenz bei Menschen mit Zwangsstörungen ist es sinnvoll, diesen Austausch zu unterstützen. Es stellte sich Frage, ob es im Rahmen eines Gruppenangebotes möglich ist, die Behandlung noch effektiver zu gestalten und dem Bedürfnis nach Austausch entgegen zu kommen?

Diese Überlegungen flossen in die Konzeption einer speziellen Gruppe für Zwangspatienten ein: die Zwangsgruppe. Sie ist als fortlaufende Gruppe für 6-12 Patienten konzipiert, wobei die Teilnahme für Patienten auf 4 Wochen begrenzt ist. In diesem Zeitraum finden 8 therapeutisch geleitete Gruppensitzungen und 4 Sitzungen in Eigenregie statt (ohne Therapeuten). Um eine flexible Aufnahmemöglichkeit zu gewährleisten haben wir uns für ein halboffenes Konzept entschieden. Alle 2 Wochen können neue Patienten einsteigen, so dass sich jeweils 4-Wochen-Kohorten 2 Wochen überlappen. Die Zwangsgruppe ist sowohl für Patienten mit Zwangshandlungen, als auch mit Zwangsgedanken geeignet und besteht im Wesentlichen aus zwei Bestandteilen: aus einem Informationsteil und aus einem Übungsteil. In den psycho-edukativen Bausteinen wird den Patienten störungsspezifisches Wissen vermittelt (wichtigste Störungsmodelle, Problematik der Verantwortungsabgabe und der “passiven Vermeidung”, motivationale Hintergründe). Das Hauptanliegen der Gruppe besteht aber darin, die Patienten zu gestuften Expositionsübungen anzuleiten, die sie selbstständig durchführen können. Diese selbstkontrollierten Übungen sind als Ergänzung zu therapeutengeleiteten Expositionsübungen in der Einzeltherapie gedacht. In der Gruppe werden die Übungen vorbereitet und nachbesprochen. Die Übungen in der Gruppe sollen demnach die Expositionsübungen in der Einzeltherapie nicht ersetzen, da diese als unverzichtbare Bestandteile der Behandlung angesehen werden.

 

Im Vergleich zu anderen störungsspezifischen stationären Gruppenkonzepten haben wir einen anderen Schwerpunkt gesetzt. So findet bei uns die Behandlung hauptsächlich in der Einzeltherapie statt, die ergänzt wird um die Zwangsgruppe, im Gegensatz zu Konzeptionen, die den Behandlungsschwerpunkt auf die Gruppe legen. Wiederum andere Konzeptionen rücken die Expositionsübungen in der Einzeltherapie in den Mittelpunkt und die Zwangsgruppe dient lediglich dazu, diese Übungen durch Informationsvermittlung vorzubereiten. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase beginnen die Übungen dann etwa in der 4. Behandlungswoche. Wir beschreiten mit unserem Konzept insofern Neuland, als wir die Patienten in der Zwangsgruppe bereits am Ende der ersten Teilnahmewoche zum Beginn von leichteren Übungen auffordern. Wir wollen damit eine bewältigungsorientierte Haltung möglichst frühzeitig fördern, um so die zu Verfügung stehende Behandlungszeit zu optimieren.

Die Zwangsgruppe wird seit Dezember 2002 durchgehend angeboten und hat sich insgesamt sehr gut bewährt. So weisen die Rückmeldungen von Patientenseite auf eine hohe Akzeptanz der Gruppe hin. Die Übungsanleitungen sowie die Austauschmöglichkeit mit Mitpatienten werden hilfreich und entlastend erlebt. Es bestehen nur geringe Einschränkungen hinsichtlich der Indikation zur Zwangsgruppe. So sollten z.B. schwere und hochidiosynkratische Zwänge besser nur in der Einzeltherapie behandelt werden. Schwere Interaktionsauffälligkeiten (z.B. im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen) können ein Hindernis für die Teilnahme sein. Bei Zwangssymptomen in Zusammenhang mit Psychosen oder psychosenahen Störungen ist ebenfalls die Indikation genau zu prüfen. Gegenwärtig ist eine Evaluationsstudie in Planung, die voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2007 durchgeführt wird.

Ansprechpartner: H. Volkwein, R. Wieland



Weitere Informationen

Chefarzt

Chefarzt Dr. Limbacher

Dr. med. Klaus Limbacher

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Rehabilitationswesen

Spezialisierung:

Depressionen, sexuelle Störungen und Persönlichkeitsstörungen

Kontakt:

Tel. +49 6322 934-0 (Festnetz)
E-Mail duerkheim@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim
Kurbrunnenstraße 12
67098 Bad Dürkheim