Psychosomatische Fachklinik Bad Dürkheim  
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Körpererfahrung in der Sporttherapie

Körperfahrung ist ein wichtiger Therapiebaustein in der stationären psychosomatischen Rehabilitation, der bei der Behandlung unterschiedlicher Störungsbilder ein hohes therapeutisches Potential beinhaltet. Ziele der praktischen Arbeit sind das Erlernen von Achtsamkeit für Körperempfindungen, die Wahrnehmung von Grenzen, das Akzeptieren und der Umgang mit Emotionen. Durch spezifische Aufgabenstellungen in unterschiedlichen Settings werden neue Erfahrungen möglich, die mit therapeutischer Hilfe neu bewertet und eingeordnet werden, damit so individuelles Wohlbefinden und Gesundheitsverhalten unterstützt wird.

Körpererfahrung im allgemeinen Sporttherapeutischen Programm

In der AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim erhält jeder Patient ein Basissportangebot an dem er zweimal in der Woche eine Stunde lang teilnimmt. Hier wird ein breites Sportspektrum, je nach körperlicher Ausgangslage, angeboten. Neben der Steigerung der physischen und sozialen Leistungsfähigkeit können die Patienten zusätzliche Erfahrungen bezüglich ihres Körpererlebens während der unterschiedlichen Stundeninhalte machen. Beim anschließenden Reflektieren der soeben absolvierten Sportstunde wird die eigene Wahrnehmung (beispielsweise des aktuellen sensorischen Kontakts z.B. mit Gegenständen und Abläufen des Augenblick und die Wahrnehmung innerer Vorgänge z.B. Muskelspannungen, körperliche Manifestationen von Gefühlen und Emotionen, Unbehagen usw.) mit der der Mitpatienten und der Fachkraft gegenüberstellt. So kann herausgefunden werden, welche Verhaltensweisen und Erfahrungen welche Konsequenzen haben, wo Veränderungen erforderlich sind und geübt werden können. Die Sporttherapie mit ihren Elementen versteht sich resourcenorientiert.

 

Körpererfahrung bei Patientinnen mit Anorexia und Bulimia nervosa

Bei den Patientinnen mit Essstörung ist es besonders wichtig über das Medium Bewegung positiv Einfluss auf den Körper zu nehmen, denn Bewegung bietet Chancen zu positiven Körpererfahrungen und setzt genau da an, wo sich das Krankheitsbild manifestiert hat. Es liegen elementare Defizite im Bereich des Körpererlebens bei Patientinnen mit anorektischen Störungen vor, die sich in einer Körperschemastörung im Sinne einer Überschätzung der Körperausmaße äußern.

Bulimische Patientinnen wissen sehr gut wie ihr Körper aussieht, sie geben ihrem Körper einen unrealistisch hohen Stellenwert.  Ihr Körper, den sie wie eine Maske, Anzug und/oder Hülle manipulieren und vorzeigen, ist ein Fremdkörper geworden, auf den sie stolz sind, der aber nichts mit ihrem Gefühlsleben gemeinsam hat. Diese Patientinnen haben aufgehört sich nach ihren körperlichen Empfindungen und Gefühlen zu richten und vernachlässigen die positiven Aspekte von Körperlichkeit. Die Behandlung geht über Achtsamkeitsübungen die alle Sinne ansprechen: Fühlen, riechen, schmecken, sehen im Hier und Jetzt und Wahrnehmen was sie bewirken. Die Frauen können mit therapeutischer Hilfe den negativen Kognitionen bei den aktuellen Wahrnehmungen auf die Spur kommen und sie umattribuieren. Den Patientinnen kann schließlich mit Hilfe von abschließenden Gesprächseinheiten deutlich werden, warum sie so streng und abwertend mit sich umgehen.

Körpererfahrung bei Adipositas

Bei adipösen Erkrankungen geht es darum die Patienten wieder angstfrei und freudvoll an verändertes – aktives - Bewegungsverhalten  heranzuführen und ein Bewusstsein für den adäquaten Umgang mit dem Körper zu entwickeln. Das bedeutet, das körperliche Grenzen wahrgenommen werden und gesundheitsorientiertes  Bewegungsverhalten erlernt werden muss. Die regelmäßige Teilnahme in unserer Adipositassportgruppe und dem begleitenden Ergometertraining unter Gleichgesinnten lässt sie neben den physiologischen Aspekten (Förderung von Ausdauer, Kraft, Koordination, Beweglichkeit) auch Erfahrungen mit dem individuell “richtigen Maß”, sozialen Kontakten und Umgang mit positiven und negativen Gefühlen machen.

Körpererfahrung bei depressiven Störungen

Bei den depressiven Störungen wird über entsprechende sporttherapeutische Aufgabenstellungen körperlich erfahrbar gemacht, wie ein verändertes Aktivitätsmuster das empfundene Energie- und Motivationsniveau beeinflussen kann. Dies geschieht durch spielerische und stufenweise gesteigerte Anforderungen, die bewirken, dass die Leistungs- und Entspannungsfähigkeit gefördert und das das Gelernte kognitiv und  körperlich verankert wird. Über die unterschiedlichen Facetten des Sports mit begleitenden Fokusierungsübungen wird bewusst gemacht, wie Aktivität die Stimmung beeinflusst und so kann handlungsorientiertes Selbstmanagement eingeübt und Selbstsicherheitserfahrungen gemacht werden.

Körpererfahrung bei Angststörungen

Bei den Angststörungen werden durch die sporttherapeutischen Maßnahmen in erster Linie die angstvoll wahrgenommenen sympathischen vegetativen Körpersymptome (z.B. Herzrasen, Schwindel, Schweiß), als normale und gesunde Symptome eines leistungsbereiten Körpers erfahren. Vertrauen in die Stabilität der entsprechenden Körperfunktionen wird gelernt und die mit ihnen verbundenen, angstgefärbten Assoziationen durch positiv vitale Assoziationen wie Freude, Erfolg, Stolz, etc. ersetzt. Angstbewältigungstechniken werden in spezifischen Bewegungsübungen und im gruppendynamischen Setting (z.B. rückwärts fallen und aufgefangen werden, blind führen und folgen) eingeübt. Zusätzlich wird das Expositionstraining innerhalb der Sporttherapie angeboten. Die Angstbewältigungstechniken werden dann in den angstauslösenden Realsituationen kontrolliert vor Ort (Kaufhaus, Brücke, Fernmeldeturm, Straßen und Plätze) erprobt und trainiert. Die anfangs therapeutisch begleitenden Übungen werden zunehmend eigenverantwortlich durchgeführt.

Körpererfahrung bei Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen

Die Körpererfahrungseinheiten finden gezielt innerhalb der Frauengruppe statt. Die Traumagruppe basiert auf einem multimodalen Konzept, in dem sich psychoedukative, kognitiv-verhaltenstherapeutische und körpertherapeutische Elemente abwechseln. Die Therapie setzt auf der kognitiven, emotionalen und körperlichen Erfahrungsebene an. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass körpertherapeutische Vorgehensweisen mit vielen Ängsten bei den Frauen besetzt sind. Der Körper ist oft ein Tabu er wird notdürftig gepflegt und ansonsten nicht weiter beachtet, oft sogar selbst verletzt. Die Körperempfindungen sind mit Abwehr besetzt. Es wird häufig vermieden was mit dem Fühlen des Körpers zu tun hat. Die Patientinnen besuchen daher häufig die  regulären Sportstunden nur zögerlich. Nicht selten haben sie körperliche Einschränkungen zum Beispiel in Form von LWS-Beschwerden oder andere Schmerzsyndromen, Über- oder Untergewicht Im Gegensatz zum Übergewicht gibt es für Untergewicht keine eindeutige medizinische Grenze. Gewichtsgrenzen zwischen Normal- und Unter-/ Übergewicht werden mit Hilfe des BMI (= Body Mass Index, gelegentlich auch Quetelets-Index genannt) berechnet: BMI=Gewicht dividiert durch Körpergröße zum Quadrat (BMI=kg/ m2) Normalgewicht bewegt sich im Bereich eines BMI von 20 - 25, für eine Frau von 1,60 m Körpergröße bedeutet das einen Gewichtsbereich von ca. 51 - 64  kg.
Die Untergewichtsgrenze bei der Definition von Magersucht liegt bei einem BMI von 17,5, bei o.g. Frau also ca. 46 kg. Wenn Sie Ihren Body-Mass-Index bestimmen möchten klicken sie bitte hier: zum BMI Rechner
. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig das Vermeidungsverhalten zu bearbeiten, um positive Erfahrungen mit dem Körper zu ermöglichen. Körperempfindungen können so neu bewertet und zugeordnet werden, und Aktivitäten die eine erhöhte Herzfrequenz, Schweißproduktion oder  Berührungen von Mitpatientinnen beinhalten als angstfrei eingeordnet werden. Adäquates Abgrenzen und Ausdrücken von unterschiedlichsten Gefühlen werden durch das Übungsangebot aktiv gefördert. Das Ziel ist es, den Körper differenziert über alle Sinne wahrzunehmen, so dass vor allem das Ekelgefühl bezüglich des eigenen Körpers in einen anderen Zusammenhang gebracht werden kann.

Ansprechpartnerin: M. Ehrhardt



Weitere Informationen

Chefarzt

Chefarzt Dr. Limbacher

Dr. med. Klaus Limbacher

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Rehabilitationswesen

Spezialisierung:

Depressionen, sexuelle Störungen und Persönlichkeitsstörungen

Kontakt:

Tel. +49 6322 934-0 (Festnetz)
E-Mail duerkheim@ahg.de


Adresse:
AHG Klinik für Psychosomatik Bad Dürkheim
Kurbrunnenstraße 12
67098 Bad Dürkheim