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Presse

Zufrieden mit dem Gespräch (von links). Moderator Jan  Kock,  Dr.  Bernd Schneider, Angelika Wiesgen-Pick, Detlef Parr,  Dr.  Stefan Poppelreuter. (Foto: Gerrit Mitter)
Zufrieden mit dem Gespräch (v.l.). Moderator Jan  Kock, Dr. Bernd Schneider, Angelika Wiesgen-Pick, Detlef Parr, Dr. Stefan Poppelreuter. (Foto: Gerrit Mitter)

Aktuelles

AHG Gesundheitsdienste Koblenz aktuell
25.09.2008 – Staatliche Abstinenz

Eigenverantwortung statt staatlich verordneter Abstinenz Die Abstinenz ist der völlige Verzicht auf ein Suchtmittel (Alkohol).
In einer Therapie erlernt der Alkoholabhängige nicht, dass er nicht mehr trinken darf, sondern dass er nicht mehr trinken muss.

 

Suchtexperten und Politiker beim Roundtabel-Gespräch des Bundesverbandes der Spirituosenindustrie

 

Moderater Konsum von Alkohol bei Erwachsenen ist unbedenklich. Aber bereits geringe Mengen führen in bestimmten Situationen zu Beeinträchtigungen. Mit dieser grundsätzlichen Feststellung leitete der  Psychologe Dr. Bernd Schneider, Leiter der AHG-Gesundheitsdienste in Koblenz und Köln beim Presse-Roundtable-Gespräch zum Thema „Abstinenz Die Abstinenz ist der völlige Verzicht auf ein Suchtmittel (Alkohol).
In einer Therapie erlernt der Alkoholabhängige nicht, dass er nicht mehr trinken darf, sondern dass er nicht mehr trinken muss.
- staatlich verordneter Lebensstil ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen?“  seine Stellungnahme ein. Und gab damit auch eine erste Antwort auf  den Untertitel der Veranstaltung in der Kölschstadt am Dom wie ein gesundheitsverträglicher Umgang mit alkoholhaltigen Getränken zu definieren ist und ob jeglicher Konsum mit einem erhöhten Risiko verbunden ist.

Eingeladen hatte der Bundesverband der deutschen Spirituosenindustrie und Importeure (BSI) mit Sitz in Bonn.  Der dabei vermied den Wolf im Schafspelz zu geben, sich offen zum Gespräch zeigte: Er hatte aber auch eine Zielsetzung. Diese galt den „Empfehlungen des Drogen- und Suchtrates an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung für ein Nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention“. Dieser will die „die Bevölkerung für einen verantwortungsbewussten Alkoholkonsum“ gewinnen.

Gesprächspartner waren  der ausgewiesene Suchtexperte und Suchttherapeut Dr. Bernd Schneider, langjähriger Psychologischer Leiter der Fachklinik Tönisstein in Bad Neuenahr,  mit dem Thema „Möglichkeiten einer Grenzziehung zwischen Missbrauch und gesundheitsverträglichem Konsum aus der Sicht des Suchttherapeuten“,  Dr. Stefan Poppelreuter, Diplom-Psychologe und Suchtexperte  von TÜV-Rheinland, mit „Status Quo in der Alkoholprävention“, der sucht- und drogenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Detlef Parr,  mit „Wie viel Reglementierung (v)erträgt  der Bürger“ und Angelika Wiesgen-Pick,  BSI-Geschäftsführerin, , die zur „Verantwortung der Spirituosen-Branche im gesamtgesellschaftlichen Kontex“ Stellung bezog.

Der Suchtfachmann Dr. Bernd Schneider machte keinen Hehl daraus, dass Konsum von Alkohol bei vielen Menschen zu angenehm empfundenen Zustandsveränderungen führt, dass sie sich entspannt, besser gelaunt, mutiger, leistungs- und kontaktfähiger fühlen. Trotzdem ist für ihn der Begriff Alkoholkonsum statt Alkoholgenuss der neutralere Sprachgebrauch. Und: Für die Bewertung des Alkoholkonsums  ist es wichtig, dass die positive Wirkung des Alkohols weniger dem Geschmack zuzuschreiben ist, sondern von seiner zustandsverändernden Wirkung ausgeht. Deshalb ist Alkohol als potenzielles Suchtmittel, einzustufen, urteilte Schneider. Gesellschaftliche Aufgabe ist es aber nicht  den Alkoholkonsum gänzlich zu verbieten, aber doch gegen die kritischen Auswirkungen vorzugehen. So durch Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Zielgruppen und Situationen.  Schneider sieht eine staatliche Verordnung von Abstinenz Die Abstinenz ist der völlige Verzicht auf ein Suchtmittel (Alkohol).
In einer Therapie erlernt der Alkoholabhängige nicht, dass er nicht mehr trinken darf, sondern dass er nicht mehr trinken muss.
erkennbar nicht in Sicht und ist für ihn weder notwendig noch praktikabel.  Aber: Der derzeitig praktizierte Alkoholkonsum in Deutschland ist mit erheblichen Krankheitsrisiken verbunden. Diese verursachen persönliches Leid und bescheren der Solidargemeinschaft erhebliche Kosten.

Dr. Stefan Poppelreuter  befürchtet, dass eine starre einseitige  und verhältnispräventive Alkoholpolitik und Reglementierung die „Kriminalisierung der Gesellschaft“ , das Ausweichen in illegale Produktion und Beschaffung und andre möglicherweise schädliche psychoaktive Substanzen fördert.

Der liberale Bundestagsabgeordnete  Detlef Parr lehnt die Empfehlungen ab. „Sie gehen mir eindeutig zu weit in Richtung Kindermädchen-Staat und Entmündigung des Verbrauchers“. Probleme, wie etwa der riskante Umgang mit Alkohol bei Jugendlichen, will er keinesfalls verharmlosen. Was diese brauchen sind für ihn die drei „Z“: Zärtlichkeit, Zuwendung und Zeit für sie.

Angelika Wiesgen-Pick wies auf die zahlreichen eigenen Präventions- und Aufklärungskampagne des BSI in den letzten drei Jahren hin. Die Empfehlungen des Drogen- und Suchtbeirates decken sich mit den Präventionsmaßnahmen des BSI-Arbeitkreises im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes, betonte sie. Gesetzliche Reglementierungen mit Steuererhöhungen, Einschränkungen der Verfügbarkeit oder Werbeeinschränkungen lassen aber  den wissenschaftlichen Nachweis des Erfolgs vermissen. - GMI-

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Leiter

Dr. Bernd Schneider

Dr. rer. nat. Bernd Schneider

Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut

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