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AHG Gesundheitsdienste Koblenz aktuell
30.07.2008 – Glücksspielsucht
PRESSE-BÜRO GERRIT MITTER
Schlechte Karten für das Glücksspiel
AHG-Gesundheitsdienste Koblenz und Kliniken Daun bereiten ambulante Therapie der Glücksspielsucht vor.
Koblenz. Schlechte Karten hat in der Koblenzer Schloßstraße 43-45 das Glücksspiel. Denn dort ist bei den AHG-Gesundheitsdiensten ein neues ambulantes Behandlungsangebot zur Glücksspielsucht in Vorbereitung. Vor dem erschreckenden Hintergrund, dass in Deutschland etwa 220.000 Menschen unter den Folgen von krankhaftem, dem pathologischen Spielen leiden, haben die beiden Suchtexperten, Peter Missel von den Kliniken Daun und Dr. Bernd Schneider, Leiter der AHG-Gesundheitsdienste, die Initiative für ein entsprechendes neues ambulantes Behandlungsangebot ergriffen. Bei ihrem Einrichtungsträger, der AHG AG, haben sie mit ihrem Projekt offene Türen gefunden. Denn diese verfügt schon über zahlreiche stationäre Behandlungsplätze für pathologische Glücksspieler.
Zudem konnten sie sich der Unterstützung und Beratung von Dr. Jörg Petry versichern. Er zählt zu den bundesweit führenden Experten auf dem Gebiet der Glücksspielsucht und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Glücksspielverhalten. Der ausgewiesene Fachmann ist in der Praxis und Forschung des pathologischen Glücksspielens tätig. Mit seinen Studien hat er wesentlich dazu beigetragen, das die Behandlung des krankhaften Glücksspielens in Deutschland etabliert werden konnte.
Das Hauptproblem sind die 200 000 gewerblichen Geldspielautomaten in Spielhallen, Gaststätten und Imbissbuden, warnt Petry vor dieser so öffentlichen Gefahr. 27 Milliarden Euro setzt die Branche jährlich um. Der Staat profitiert dabei mit 4,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen. Das ist mehr als die Alkoholsteuer einbringt.
Aber dem gegenüber stehen geschätzte 220.000 Glücksspielsüchtige, von denen 80 Prozent dem Spiel an den gewerblichen Geldspielautomaten verfallen sind. „Dies sind oft Menschen, die an Geldautomaten nicht nur das verlieren was sie besitzen, sondern auch noch Schuldenberge auftürmen“, weiß Dr. Bernd Schneider. Wie auch sein Kollege Peter Missel kennt er die Problematik und die Menschen die darin gefesselt sind, aus langjähriger Praxis in der Suchtbehandlung. Etwa ein Drittel der Glücksspielsüchtigen haben zudem noch ein Alkoholproblem. Und etwa 40 Prozent von ihnen haben einen oder mehrere Selbstmordversuche hinter sich.
In den Kliniken Daun werden derzeit jährlich 50 glückspielsüchtige Patienten behandelt, so Peter Missel. Die Therapie, erstreckt sich über acht bis zwölf Wochen. Dabei ist die Erfolgsquote noch nach fünf Jahren mit 50 Prozent vergleichsweise hoch.
Die ambulante Therapie wird in Koblenz und Daun ein Jahr dauern. Das neue ambulante Behandlungsangebot soll dort zeitgleich Anfang des nächsten Jahres beginnen. Kostenträger sind die Renten- und Krankenversicherung. Anträge können beim AHG-Gesundheitsdienst Koblenz gestellt werden. Vorab sind schon Beratungen und weitere Informationen durch die AHG-Gesundheitsdienste oder die Kliniken Daun möglich. Beide Einrichtungen sind Mitglied im Fachverband Glücksspielsucht. Dieser ist für Ratsuchende unter der Hotline 01805-7700 7600 zu erreichen. Informationen gibt es auch unter „www.gluecksspielsucht.de oder „www.dhs.de“.