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Doping im Beruf - Alarmierende Zahlen

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Rehabilitation aktuell
17.03.2009 – Doping im Beruf - Alarmierende Zahlen

Nach Ergebnissen einer Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK), die im Februar im DAK-Gesundheitsreport 2009 veröffentlicht wurden, hält jeder fünfte Arbeitnehmer die Einnahme von Medikamenten ohne medizinische Erfordernis für vertretbar, um die Leistung im Job zu steigern. Knapp 20 Prozent der Befragten akzeptieren Stimmungsaufheller, um Stress und Konflikte am Arbeitsplatz besser auszuhalten. In der Praxis hat das Doping längst Einzug in die Büros gehalten, weiß Dr. Hubert C. Buschmann, Sucht-Experte und Chefarzt der AHG Klinik Tönisstein.

Es gibt kaum eine Sportart, die nicht durch Dopingskandale auffällt. Fast jeder Sportler glaubt oder sieht sich gezwungen, seine Leistung durch den Einsatz von Substanzen zu steigern. „Leider macht diese Entwicklung nicht vor den Büros und Chefetagen halt“, so Dr. Hubert C. Buschmann, Chefarzt der AHG Klinik Tönisstein in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit über 30 Jahren hat sich das Haus mit seinem einzigartigen Behandlungskonzept im Bereich der Sucht-Kurzzeittherapie einen guten Namen gemacht. Schwerpunkte heute sind Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Kokain- und Cannabisabhängigkeit sowie Lifestyle-Drogen. Über 30.000 Patienten wurden bisher behandelt.

 

Erfolgsdruck treibt in den Teufelskreis

Seit einigen Jahren registrieren die Experten der AHG-Klinik vermehrt beruflich zunächst erfolgreiche Patienten, die ihre Leistung durch Drogen und Medikamente noch weiter steigern wollen. „Immer mehr Berufstätige sehen sich, vielleicht durch Arbeitsverdichtung, vielleicht aber auch durch überzogene subjektive Ansprüche an ihren beruflichen Erfolg gezwungen, Leistung steigernde Substanzen regelmäßig einzusetzen“, erklärt Dr. Buschmann. Mit Amphetaminen, Kokain, Ecstasy und Ritalin versuchen sie sich wacher, kommunikativer und leistungsfähiger zu halten. „Mit dem Koks ins nächste Meeting. Immer gut drauf. Nach 20 Uhr noch kreativ – hauptsächlich sind es Patienten aus Presse, Funk, Fernsehen, bildenden Künsten, IT-Branche und Bankenwesen, die zu Suchtmitteln greifen“, erläutert der Chefarzt. Zunächst erlebt man die positive Wirkung des Leistung steigernden Suchtmittels als positive Verstärkung. Durch das hohe Abhängigkeitspotenzial setzen schnell biochemische Veränderungen im Gehirn ein. Die Droge muss immer häufiger genommen werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Es kommt schnell zur Abhängigkeit. Langfristig drohen Veränderungen des Gehirns. Die Folgen sind Konzentrationsstörungen, Auffassungsstörungen, depressive Verstimmungen und Leistungsminderungen, was den Abhängigen dazu bringt, noch mehr Substanzen einzusetzen. Er gerät in einen Teufelskreis. Später kann es zum körperlichen Zusammenbruch, zu schweren psychischen Schäden und damit auch zum Versagen im Beruf, vielleicht sogar zum Arbeitsplatzverlust kommen.

 

Rund zwei Millionen helfen mit Medikamenten nach

Dabei sind es längst nicht mehr nur die bekannten illegalen Drogen, die im Beruf konsumiert werden. Nach einer repräsentative Befragung der DAK bei rund 3.000 Arbeitnehmern im Alter von 20 bis 50 Jahren wissen vier von zehn Beschäftigten, dass Medikamente gegen alters- und krankheitsbedingte Gedächtnisstörungen oder Depressionen auch bei Gesunden wirken können. Bedenklich: Zwei von zehn Befragten meinen, dass die Risiken dieser Arzneimittel im Vergleich zum Nutzen vertretbar sind. Nahezu genau so viele (18,5 Prozent) kennen mindestens eine Person, die Leistung steigernde oder Stimmung aufhellende Medikamente ohne medizinische Erfordernis eingenommen hat. Jeder 20. (fünf Prozent) bestätigt, als Gesunder schon einmal mit derartigen Medikamenten nachgeholfen zu haben. Das sind immerhin gut zwei Millionen Beschäftigte in Deutschland.

 

Umdenken erforderlich

„Doping ist das Spiel mit dem Feuer, das meistens fatal endet“, warnt Dr. Buschmann und fordert ein konsequentes Umdenken der Unternehmen: „Man muss weg vom Gedanken, nur ein gedopter Mitarbeiter sei ein guter Mitarbeiter.“ Tendenzen aus Amerika, Doping frei zu geben und Doping der Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu überlassen, führten in die falsche Richtung. „Es muss ähnlich wie im Sport auch in der Arbeitswelt einen Ehrenkodex geben, dass man keine gedopten Mitarbeiter haben will“, fordert der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Die vermehrte Nachfrage für die Behandlung von Lifestyledrogen-Patienten in der AHG Klinik Tönisstein sei alarmierend. „Wir hören mehr und mehr auch von Betriebsärzten, dass die Problematik der Einnahme von Lifestyledrogen bei Beschäftigten zunimmt. Vermutlich stehen wir erst am Beginn einer Entwicklung, die in den nächsten Jahren zu einer massiven Problematik in den Betrieben, aber auch für das Gesundheitssystem und nicht zuletzt für die Betroffenen selber wird“, so Dr. Buschmann abschließend. „Die Dunkelziffer der Einnahme illegal beschaffter Medikamente oder Drogen dürfte noch viel höher sein als die aktuellen Untersuchungen zeigen.“

 

Den DAK Gesundheitsreport 2009 können Sie hier als PDF downloaden:

www.dak.de/content/dakprfirmenservice/dakgesundheitsreports.html

 

Weitere Berichte zum Thema finden Sie in folgenden Medien:

Wirtschaftswoche

http://www.wiwo.de/karriere/millionen-greifen-zu-aufputschmitteln-am-arbeitsplatz-387457/

Stern

http://www.stern.de/wissenschaft/mensch/:Doping-Arbeitsplatz-Zwei-Millionen-Medikamenten/654570.html

Focus

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/tid-11755/drogen-doping-im-buero_aid_331776.html

Fit for fun

http://www.fitforfun.de/gesundheit/gesundheitsratgeber/doping-im-alltag/lifestyle-drogen-heute-schon-gedopt_aid_6937.html