AHG - Allgemeine Hospitalgesellschaft Aktiengesellschaft: Psychosomatik  
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Ursachen der Depression

Nach dem heutigen Wissensstand geht man nicht mehr – wie in früheren Jahren – davon aus, dass eine Depression entweder körperlich oder psychisch bedingt ist, sondern dass das Zusammenspiel mehrerer Faktoren für die Entstehung dieser Erkrankung verantwortlich ist:

Zum einen gibt es deutliche Hinweise, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Welche Gene jedoch genau verantwortlich sind, dass einige Menschen offenbar bei Belastungen schneller depressiv reagieren als andere, ist noch nicht geklärt.

Körperliche Erkrankungen können an der Entstehung einer Depression beteiligt sein. Deshalb steht eine gründliche körperliche Untersuchung immer vor der Behandlung. Beispielsweise müssen Fehlfunktionen der Schilddrüse ausgeschlossen werden.

In den allermeisten Fällen spielen psychosoziale Belastungsfaktoren eine ganz entscheidende Rolle bei der Entstehung von depressiven Erkrankungen. Hier sind in erster Linie Trauerreaktionen nach Trennungen oder Todesfällen zu nennen, aber auch andere lebensverändernde Ereignisse wie Umzug, Berentung, Arbeitsplatzverlust und sogar (eigentlich erfreuliche Ereignisse) wie Beförderung, Eheschließung oder Geburt eines Kindes. Solche Ereignisse können zu emotionalen Überforderungen führen. Gelingt den Betroffenen keine Anpassung an die neue Lebenssituation, entwickelt sich aus den zunächst natürlichen und normalen Trauerreaktionen oder Erschöpfungsgefühlen oft eine Depression.

Persönlichkeitszüge wie übertriebene Genauigkeit, Leistungsorientierung oder hohe Verausgabungsbereitschaft stellen in Kombination mit den anderen Faktoren ebenfalls einen Risikofaktor für die Depression dar. Gerade Menschen mit langandauernden depressiven Zuständen leiden oft zusätzlich an einer Persönlichkeitsstörung die deshalb in der Therapie unbedingt berücksichtigt werden muss.

Eine frühe lebensgeschichtliche Entwicklung, die von Vernachlässigungen, Zurückweisungen, mangelnder Anerkennung, Misshandlung oder Missbrauch gekennzeichnet ist, kann ebenfalls die Entstehung einer Depression begünstigen. Die von solchen Erfahrungen geprägten Kinder ziehen sich aus Schutz vor weiteren Verletzungen oft von sozialen Kontakten zurück, um sich vor neuen Verletzungen zu schützen. Dieses ursprünglich sehr verständliche und sinnvolle Vermeidungsverhalten mag dann im späteren Leben nicht mehr angemessen und sinnvoll erscheinen und somit eine Depression begünstigen.

Als biologische Ursachen kommen in erster Linie hormonelle Veränderungen sowie Veränderungen im Hirnstoffwechsel in Betracht. Bei depressiven Patienten wird immer wieder eine Änderung im Zusammenspiel der Botenstoffe (die für die Informationsübertragung von einer Nervenzelle zur anderen verantwortlich sind) beobachtet, insbesondere spielen Serotonin und Noradrenalin hier eine bedeutende Rolle. Die medikamentöse Behandlung setzt meist genau an dieser Stelle an und versucht das Zusammenspiel dieser Botenstoffe zu regulieren. Es wäre jedoch einseitig anzunehmen, dass die biochemischen Veränderungen im Gehirn die alleinige Ursache für die Depression darstellen würden, da sich diese auch infolge der Erkrankung verändern.

Fatalerweise sind es jedoch auch die typischen Merkmale der Depression selbst, welche in einem späteren Stadium eine Depression aufrechterhalten bzw. verlängern können. Der soziale Rückzug, die Vernachlässigung von Aktivitäten, die Erschöpfungsgefühle, das negative Denken und die Gefühle wie Trauer, Hilflosigkeit oder Schuld führen allzu oft zu einer ungünstigen Veränderung in den Beziehungen (Familie, Freunde, Kollegen). Weitere Enttäuschungen und Misserfolgserfahrungen sind die Folge, es entwickelt sich eine depressive Abwärtsspirale.