AHG - Allgemeine Hospitalgesellschaft Aktiengesellschaft: Psychosomatik  
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Depressive Episode

Von einer depressiven Episode wird erst dann gesprochen, wenn die Symptome mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen anhalten. Die Betroffenen leiden unter gedrückter Stimmung, Verlust von Interesse an den Dingen des Lebens, fehlendem Empfinden von Freude. Der Antrieb geht verloren, es fehlt also die Energie für Taten. Die Betroffenen sind schnell erschöpft und müde, können sich schlechter konzentrieren. Typisch sind auch Selbstwertzweifel, Schuldgefühle und Pessimismus. Nicht selten folgen auf Selbstmordgedanken entsprechende Handlungen. Der Appetit lässt nach, der Schlaf ist gestört, die sexuelle Lust ist verschwunden.

Je nach Ausprägung der Symptome wurde eine Unterteilung in leichte, mittelgradige und schwere Episoden vorgenommen, da sich daraus Konsequenzen für die Behandlung ergeben. Außerdem ist wichtig, ob die schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (z.B. Schuld- oder Verarmungswahn, Sinnestäuschungen) einhergeht oder nicht.

Eine Sonderform der depressiven Episode ist die mit somatischem Syndrom. Neben dem Interessenverlust und der Freudlosigkeit treten das sehr zeitige morgendliche Erwachen mit dann bestehendem Stimmungstief, Appetitverlust, Gewichtsverlust, psychomotorische Störung und sexuelle Lustlosigkeit in typischer Kombination auf.

Die Dauer einer solchen Episode kann sehr unterschiedlich ausfallen. Die meisten Erkrankungen klingen innerhalb von längstens 6 Monaten wieder ab und die alte Leistungsfähigkeit kann wieder erreicht werden. Die Psychotherapie wird nicht selten durch Medikamente ergänzt und führt in den meisten Fällen zu einer nachhaltigen Besserung und Stabilisierung.

Eine depressive Episode kann zu jeder Lebensphase auftreten. Viele Menschen mit einer depressiven Episode in der Vorgeschichte bleiben dauerhaft stabil, allerdings beträgt das Risiko für eine Neuerkrankung über 50%. Noch größer ist das Risiko, wenn der depressiven Episode eine  Dysthymie vorausging. Tritt irgendwann im weiteren Verlauf eine zweite depressive Episode auf, spricht man nicht mehr von einer einzelnen depressiven Episode, sondern von einer rezidivierenden depressiven Störung. An der doch recht hohen Anzahl von Wiedererkrankungen kann man  erkennen, dass es in der Behandlung nicht nur um eine Akutbehandlung gehen kann. Zur dauerhaften Verbesserung ist eine Rückfallprophylaxe erforderlich. Bewährt haben sich hier psychotherapeutische Methoden, wie sie in psychosomatischen Kliniken regelhaft vermittelt werden: Erwerb von Stressbewältigungsstrategien, Problemlösetraining, Entspannungstraining, Achtsamkeitstraining, das Einüben euthymer (genussorienterer) Verfahren, Anleitung zur gesünderen Verhalten (Sport, Ernährungsumstellung) und weitere aktivierende Verfahren. Es ist erwiesen, dass hiermit die Gefahr einer erneuten depressiven Erkrankung erfolgreich entgegengewirkt werden kann, in Einzelfällen werden diese psychologischen Methoden auch durch medikamentöse Ansätze der Rückfallprophylaxe ergänzt.

Ist beim Vorliegen einer depressive Episode nach spätestens 24 Monaten keine Besserung erfolgt, spricht man von einer chronischen Depression. Bei einem hohen Anteil derjenigen Patienten mit einer chronischen Depression liegt zusätzlich eine  Persönlichkeitsstörung vor, die dann konsequenterweise ebenfalls im Behandlungsplan berücksichtigt werden muss. In einer psychosomatischen Klinik finden die Betroffenen Experten sowohl für die Behandlung der Depression als auch der Persönlichkeitsstörung.