Als Essstörung bezeichnet man eine Verhaltensstörung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschäden. Zentral ist die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema „Essen“. Sie betrifft die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und hängt mit psychosozialen Störungen und mit der Einstellung zum eigenen Körper zusammen (Psychosomatik). Wenn die Störung zwanghaft ist, spricht man von Sucht oder Abhängigkeit.
Störungsspezifische Entwicklungsbedingungen
- Auftreten von auffälligem Essverhalten und/oder Essstörungen im Säuglings- und/oder Kleinkindesalter und/oder frühem Schulalter
- Trennungsangst (Kindergarten-, Schulbeginn)
- Soziale Überempfindlichkeit, niedriges Selbstwertgefühl,
- Spezifische Ängste (Phobien)
- Zwangssymptome, Perfektionismus
- Depressive Symptome
- Übergewicht, Adipositas, frühe Menarche, Störungen der Impulskontrolle.
Psychiatrische Komorbidität Als Komorbidität bezeichnet man einen Zustand, bei dem eine Person an mehreren Krankheitsbildern gleichzeitig erkrankt ist. Komorbiditäten wie z.B. eine Suchterkrankung und das gleichzeitige Vorliegen einer Psychose sind häufig, besonders bei der Einnahme von Drogen im Jugendalter. Psychiatrische Komorbiditäten können in den darauf spezialisierten Kliniken der AHG mit gezielten therapeutischen Maßnahmen behandelt werden. Rechtzeitig und fachkundig behandelt ist die Prognose gut. und Begleitstörungen
- Insbesondere: Stimmungsveränderung (Depression)
- Ängste (Phobien, vor allem soziale Phobie, Panikattacken)
- Zwänge (Ordnungs- und Säuberungszwänge, Perfektionismus)
- Bei Depressionen, Ängsten und Zwängen sollte geklärt werden, ob diese bereits vor oder erst während der Gewichtsabnahme entstanden.
- Insbesondere bei Bulimie: Störungen der Impulskontrolle und Persönlichkeitsstörungen
Störungsrelevante Rahmenbedingungen
- Insbesondere: Harmoniebedürfnis und Konfliktvermeidung
- Empathie
- Überbehütung
- Hohe Erwartungen
- Eheprobleme der Eltern
- Häufiges Diäthalten in der Familie
- Kritik an Essverhalten, Figur oder Gewicht durch Familienangehörige
- Interaktion bei den Mahlzeiten (gemeinsame Mahlzeiten? Streit und Auseinandersetzungen beim Essen? Wer bestimmt, was gegessen wird?)
- Welche Veränderungen der familiären Struktur sind während der Erkrankung der Tochter entstanden?
Außerfamiliäre Bedingungen
- Schulischer, berufs- und/oder freizeitbedingter Schlankheitsdruck
- Kritik an Essverhalten, Figur oder Gewicht durch Freunde und Bekannte
Familiäre psychische Auffälligkeiten,
insbesondere Vorkommen folgender Störungen in der Familie:
- Essstörungssymptome
- Adipositas (bei BN)
- Affektive Störungen
- Zwangserkrankungen (besonders bei AN)
- Angststörungen
- Missbrauch psychoaktiver Substanzen
- Persönlichkeitsstörungen, vor allem zwanghafte Persönlichkeitsstörung
